8-Stunden-Lauf in München: Stolz auf meine Leistung, enttäuscht von der Veranstaltung

Da gewinne ich mal ein Rennen, bin auch ziemlich stolz – und trotzdem alles andere als glücklich mit der Veranstaltung. So geschehen letzte Woche beim 8-Stunden-Lauf in München, der Teil des 24-h-Laufes und in diesem Jahr auch der 24-h- Bike Challenge war und von Sog Events veranstaltet wird.

Das Radrennen steht klar im Mittelpunkt, von Beginn an habe ich das Gefühl, dass wir Läufer zwar irgendwie auch mitspielen dürfen, aber eben nur auch.  Wie dem auch sei, die Strecke führt aus dem Olympiastadion in das daneben liegende Sportstadion, dort eine Runde drehen, wieder zurück, eine Runde durch das Olympiastadion, und wieder von vorn. Das ist eintönig, aber das war klar. Für mich sollte es der längste Lauf in der Vorbereitung auf das Ultra Africa Race in Mosambik sein, gerne auch ein bisschen Training für den Kopf. Egal, wie es wird, kurzweiliger wird es in Mosambik definitiv….

Der Lauf sollte eigentlich früher im Jahr stattfinden, wurde damals recht kurzfristig verlegt. Nun waren zwar viele Biker am Start, die Zahl der Läuferinnen und Läufer  hingegen war sehr überschaubar.  Als unser 8-Stunden-Lauf eine Stunde nach dem über 24 Stunden gestartet wurde, versammelte sich da mehr oder weniger eine Handvoll Aktiver. Vier Frauen und neun Männer finishen am Ende.

Zunächst zum Rennverlauf und dem für mich persönlich wichtigen Ergebnis: Trotz immer wieder über mich herfallender akuter und heftiger Unlust bin ich gut durchgekommen. Mal schneller, mal langsamer, zwischendurch bin ich auch mal ein bisschen gegangen.

Für meine Bilanz wichtig war aber, dass ich am Ende noch ziemlich viel Power hatte und so in der letzten Stunde, als die auf Rang 2 liegende Läuferin wieder schneller wurde, die Kraft hatte, auch das Tempo anzuziehen. So war die letzte von acht Stunden meine schnellste und die allerletzte 1,5-km-Runde mit 7:05 Minuten gar meine schnellste Runde überhaupt. Nach diversen Verbesserungen der Ergebnislisten hat der Veranstalter für meine 52 Runden am Ende 78 Kilometer gewertet.  Nur drei Männer waren insgesamt schneller als ich an diesem Tag. Darauf bin ich stolz.

Großen Anteil daran hatte mein guter Lauffreund Geo Iacobescu, der irrsinnig viele Runden mit mir gelaufen ist, zwischendurch nach den Ergebnissen geschaut und mir Getränke und Kartoffeln aus den Katakomben des Olympiastadions geholt hat, so dass ich meinen Lauf nicht so häufig unterbrechen musste. Tausend Dank, dafür lieber Geo (und für die Fotos in diesem Beitrag auch)!!!

Dass mir Geo aber überhaupt Getränke holen musste, benennt direkt ein großes Problem dieser Veranstaltung: Wir Läufer mussten, um zur Verpflegung zu gelangen, durch einen Tunnel (Treppen runter, Treppen wieder hoch, macht irre viel Spaß während eines Ultralaufes), um nicht die Radstrecke zu kreuzen. Klar geht Sicherheit vor, aber wenigstens einen Wasserkanister hätte uns der Veranstalter doch ganz offenbar an unsere Seite der Stadionrunde stellen können?

So genau wurde das mit der Sicherheit dann auch wieder nicht genommen: Die Biker in einer Staffel mussten, um ins Fahrerlager zu gelangen, wo sie ausruhen konnten, die Laufstrecke kreuzen. Das war ständig ein riesiges Durcheinander mit den Ordnern. Parkende Autos standen überdies auf der kurzen Laufstrecke, und zwar genau da, wo wir uns zwischen den Stadionrunden entgegen kamen. Eine Läuferin hat sich bei einem Zusammenstoß mit einem Rad verletzt.

Unsere Ergebnisse stimmten übrigens auch die meiste Zeit über nicht, es hat lange gedauert, bis die Rundenlänge von der (offenbar mal irgendwann geplanten) an die wirklich absolvierte Strecke angepasst wurde.

Im Ziel habe ich mit keinem einzigen zufriedenen Läufer gesprochen. Die Siegerehrung hat einer, der mit mir da auf dem Treppchen stand, als „einen Witz“ bezeichnet. Laut Ausschreibung sollte es Medaillen geben, nicht mal als Gesamtsieger hat man jedoch eine bekommen. Fahrrad-Handschuhe gab es stattdessen. Hm, ich fahre mit dem Rad echt nur zur Arbeit…. Mir geht es nicht um die Medaille, sondern darum, dass die ganze Veranstaltung, zumindest aus Läufersicht, leider einfach nur lieblos war. Sorry, Sog Events, das musste hier mal gesagt werden.

Marion Zander, die Siegerin des 24-Stunden-Laufes (nochmal ganz herzlichen Glückwunsch zu der Hammer-Leistung!!!!) hat inzwischen einen Beschwerdebrief an den Veranstalter geschrieben, den ich hier drucken darf:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich war Teilnehmer des o. g. Laufes. Über die katastrophale Organisation dieses Events bin ich maßlos enttäuscht. Die Strecke war durch die schlechte bzw. nicht vorhandene Absicherung extrem gefährlich für uns Läufer. Besonders in der Einfahrt ins Marathontor kam es zu vielen schweren Stürzen der Biker. Die Räder und Fahrer rutschen öfters in die entgegen laufenden Läufer. Einige Läufer wurden so verletzt, dass sie den Johanniter Sanitätsdienst in Anspruch nehmen mussten. Warum wurde hier nicht durchgängig ein Schutzgitter aufgestellt? Sogar das angebrachte „Flatterband“ das wegen eines Notarzteinsatzes in den Nacht durchtrennt wurde, wurde während des ganzen Rennens nicht mehr erneuert. Ein Teil der Laufstrecke war mit Autos zugeparkt, so dass ein Ausweichen auf die Radstrecke nötig wurde. Zudem War die Laufstrecke falsch vermessen. Mehrere Reklamationen durch diverse Läufer brachte keinen Erfolg. Erst die Androhung, dass die Läufer den Lauf abbrechen, sollte es keine Korrektur geben, brachte den gewünschten Erfolg. Warum wurde hier nicht sofort reagiert? Solche Diskussionen kosten Zeit und Kraft. Außerdem ist es überhaupt nicht zeitgemäß, dass nicht direkt ein Monitor zu Überprüfung der gelaufenen Runden an der Strecke steht, oder zumindest ein akustisches Signal das Überqueren der Zählmatte laut quittiert. Für mich ist es auch überhaupt nicht nachvollziehbar, warum es nicht möglich war, wenigstens einen Wasserkanister an der Laufstrecke zu deponieren. Dies wäre an vielen Stellen ohne großen Aufwand möglich gewesen. Die für so ein Event, äußerst dürftige Verpflegung fand ich mehr als enttäuschend. Zudem auch noch höchstgradig unhygienisch! Das kleingeschnittene Obst und Gemüse wurden in Wasserbehältern zur Selbstbedienung bereit gestellt. Zangen oder Löffel zur Entnahme gab es nicht! Die Teilnehmer mussten mit den Hände – gerade bei den Bikern meist sehr schmutzig – in das Wasser greifen, um an die Nahrungsmittel zu gelangen. Der weite Weg zu den Toiletten, führte zwangsläufig zur Nutzung der umgrenzenden Büsche in der Nähe des Sport- und Tennisplatzes. Dies dürfte die nachfolgenden Benutzer der Plätze nicht besonders erfreut haben. Platz genug für ein paar Dixie-Toiletten, war hier ebenfalls vorhanden. Mir erschließt sich auch überhaupt nicht, warum bei einem so teuren Event, die Erstplatzierten Läufer keine ausgedruckten Urkunden bekamen. Bei den großen Bike-Gruppen ist dies ja noch nachvollziehbar, aber bei der überschaubaren Anzahl der Läufer wäre dies eigentlich problemlos möglich gewesen. Ebenso vermisse ich die in der Ausschreibung angekündigte Medaille. Wo bitte waren die Medaillen? Fazit: Es wurde hier an allen Ecken und Kanten gespart! Ich habe schon an sehr vielen Veranstaltungen dieser Art teilgenommen, bei diesem Lauf fühle ich mich komplett „über den Tisch gezogen“ was die Höhe des Startgeldes und die dafür erbrachten Leistungen betrifft! Dieses Event war in keinster Weise mit dem 24-Stunden-Lauf im Olympia Park von 2014 vergleichbar. Dort gab es eine super Organisation, eine tolle Versorgung, eine erstklassige Moderation und ständige Rundekontrolle, durch an der Strecke aufgestellte Monitore. Und das für ein bedeutend günstigeres Startgeld! Ich wünsche eine Stellungnahme ihrerseits und Erfüllung Ihrer Leistungen bezüglich der Medaillen für alle Läufer!

Mit enttäuschten Grüßen,

Marion Zander, Erstplazierte 24h-Sololäuferin

2 Gedanken zu „8-Stunden-Lauf in München: Stolz auf meine Leistung, enttäuscht von der Veranstaltung“

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