Krank in Israel: Von einer etwas anderen Laufreise

Warum fällt es uns oft so schwer, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind? Manchmal kommt alles ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben, und wir sind traurig, wütend, enttäuscht – ohne zu sehen, dass eben nicht alles im Leben plan- und vorhersehbar ist; und trotzdem dankbar zu sein für das, was wir haben, auch in den Momenten, in denen es gerade nicht so rund läuft.

So ging es mir kürzlich in Israel. Ich hatte mich so darauf gefreut, mit meiner besten Lauffreundin und diesjährigen Trans Alpine Run-Partnerin Sandra Mastropietro und den anderen ASICS Frontunnern Laura Chacon Biebach, Andrea Diethers und Jan Erik Kruse ungefähr 200 Kilometer Trails in Israel zwischen Tel Aviv und Jerusalem und als krönenden Abschluss den Jerusalem Marathon zu laufen.

Eine tolle Vorbereitung für den TAR würde das werden, ein tolles Abenteuer sowieso! Für mich hatte die Reise auch dadurch noch eine besondere Bedeutung, dass ich in den letzten Jahren sehr oft beruflich in Israel war – hierher zu kommen, „nur“ um zu laufen, darauf freute ich mich unendlich.

Eine Woche vorher kehrte ich von Mallorca zurück, wo ich als Coach ein Trailrunning-Camp von Laufcampus begleiten durfte. Ich war fit, gerade erst viele Kilometer Trails gerannt, alles super.

Dann begann der Hals zu kratzen. Einfach so. Ich war das gesamte Jahr 2015 nicht krank gewesen, keine einzige Erkältung, und dann das. Aufgerechnet jetzt! Ich trank und aß Ingwer, bis ich schon dachte, dass ich bestimmt eine Ingwer-Vergiftung erleiden würde. Ich schonte und pflegte mich – aber es wurde schlimmer statt besser. Halsweh, Husten, Schnupfen – die Nacht vor dem Abflug war so blöd, dass ich am Reisetag morgens überlegte, das Ganze abzusagen. Aber es war doch schon alles gebucht, ich war eingecheckt, vielleicht würde ja alles gut, wenn ich den ersten Tag aussetzen und mich in Tel Aviv am Strand erholen würde. Und selbst wenn ich ein paar Tage nicht laufen könnte, sondern nur dabei wäre, wäre das doch schließlich auch ok.

So die Theorie. In der Praxis haben mir zuerst die beiden Flüge (München – Istanbul – Tel Aviv) ziemlich die Ohren zerhauen, das taube Gefühl ging tagelang nicht weg. Vor allem aber ist es viel schwerer, einfach nicht zu laufen, wenn man vor Ort ist, die anderen sich fertig machen, voller Vorfreude sind und abends erschöpft, aber glücklich, mit tollen Eindrücken und ebenso feinen Bildern zurückkommen.

Das fühlt sich blöd an. Unbedingt wollte ich am nächsten Tag dabei sein. Doch standen 55 Kilometer auf dem Plan. Das ging nicht, das habe sogar ich eingesehen. Meine liebe Sandra war einverstanden, nur einen Teil der Strecke mit mir zu laufen und wenn nötig auch zu gehen. Also bin ich am zweiten Tag eingestiegen, langsam, immer noch hustend und schnupfend, aber dadurch, dass wir immer auch gegangen sind, fand ich es in Ordnung.

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(Fotos: Sandra Mastropietro
alle folgenden Bilder: Inger Diederich)

Es war anstrengend, es ist schon frustrierend, wie schnell die tolle Form durch eine nur leichte Krankheit verschwinden kann. Es war trotzdem auch schön, wir haben uns in Orangen-Plantagen verlaufen beim Versuch, mir den ultimativen Vitamin-Kick zu verschaffen, sind um ein großes Getreidefeld im Kreis gelaufen, mussten ständig über uns selber lachen. Am Ende des Tages waren wir in Lod, dem Zielort.

Gut getan hat mir der Tag mit seinen knapp 25 Kilometern leider nicht. Mir war abends kalt, ich musste wieder mehr husten. Klar war jedenfalls, dass ich am nächsten Tag nicht wieder laufen würde – am Ende des Tages ist es kein Lauf-Abenteuer wert, sich vollständig die Gesundheit zu ruinieren. Schweren Herzens entschloss ich mich, mich für zwei Tage aus dem gemeinsamen Unternehmen auszuklinken, nach Jerusalem zu fahren und mich in einem Hotel richtig auszuschlafen und zwei Tage zu erholen, um die anderen Verrückten dann in Jerusalem zu erwarten – in einer besseren Verfassung, hoffentlich.

Ich war traurig und enttäuscht – aber mal ganz ehrlich, was bedeutet das eigentlich im Großen und Ganzen, mal ganz nüchtern betrachtet? Ich konnte einen mehrtägigen Lauf, auf den ich mich sehr gefreut hatte, nicht mitmachen. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich glaube, wir müssen lernen (ich auf jeden Fall), zu diesen Dingen eine andere Haltung zu entwickeln, Dinge, die wir nicht ändern können, zu akzeptieren. Etwas daraus mitzunehmen, denn alles hat einen Sinn.

Mir hat jedenfalls die Schlaf-Auszeit im Hotel gut getan. Weit davon entfernt, vollständig gesund zu sein, konnte ich doch zumindest beim tollen Foto-Shooting mit Inger Diederich auf schönen Trails rund um Jerusalem und in der wunderschönen Altstadt von Jerusalem mitmachen.

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Vor allem aber habe ich mit meiner Teilnahme am Halbmarathon in Jerusalem einen wunderschönen Abschluss dieser etwas verkorksten Woche gehabt. Umgemeldet von der Marathon auf die Halbmarathon-Distanz bin ich an den Start gegangen, bin sehr, sehr langsam gelaufen und habe mir vorgenommen, das Rennen abzubrechen, falls ich merke, dass es mir nicht gut tut. Doch da ich langsam unterwegs war, sogar zum Fotografieren stehen geblieben bin, ging das sehr gut. Und es war wunderschön. Der Lauf ist fantastisch, die Strecke wunderschön, führt sogar kurz durch die Altstadt. Die Stimmung ist super – es ist ein wirklich tolles Event (mit der besten Pasta-Party, die ich jemals erlebt habe). Wie dankbar ich war, dass ich diesen Halbmarathon laufen konnte! Ich werde wiederkommen, das stand für mich beim Zieleinlauf nach 2 Stunden und 7 Minuten fest. Und dann laufe ich, wie dieses Jahr geplant, den Marathon. Aber dann bin ich gesund.

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Danke an Andrea und Jan Erik für die Organisation der Reise, danke an Euch und Sandra, Laura und Inger dafür, dass Ihr mein ständiges Geschnupfe und Gehuste ertragen habt und eines steht fest: Nächstes Mal bin ich gesund und laufe mit, wo auch immer!!! Und jetzt mache ich erstmal schöne neue Pläne und schaue mal, wo meine nächste Laufreise mich hinführt 🙂

6 Gedanken zu „Krank in Israel: Von einer etwas anderen Laufreise“

  1. Liebe Andrea, auch wenn es nicht mehr als ein ausgefallener Lauf war, weniger war es auch nicht. Es ist nur zu menschlich, eine Vision zu kippen, ein Abenteuer, eine Vorfreude nicht in Freude umwandeln zu können. Ich habe Deine Zeilen gerne gelesen und mit Dir gefühlt :-). Stehe ich gerade selbst an einem Scheideweg, für den TAR in die harte Trainingsphase einzusteigen und andere Projekte (die mir auch am Herzen liegen) zu kippen, bevor ich mich überfordere, krank und unleidig werde, weil dann gar nichts klappt. Ich habe auf alle Fälle viel von Euch auf Mallorca lernen dürfen und übe mich jetzt in langen und langsamen Läufen. Freue mich auf das Wiedersehen in Garmisch im September und einen tollen TAR. Bleib gesund. Viele Grüße Markus Weidner (der Triathlet aus dem Trailrunning-Camp)

    1. Lieber Markus,

      vielen, vielen Dank für Deine lieben Zeilen!
      Ja, das ist immer schwierig…. Muss gerade auch aufpassen, dass ich mir das TAR-Jahr vorher nicht zu voll packe.
      Ich freue mich riesig auf ein Wiedersehen beim TAR (vielleicht ja auch schon vorher, wer weiß, wo unsere Läuferbeine uns hinführen 🙂 ).
      Bis spätestens im September,
      liebe Grüße,
      Andrea

  2. Meine Liebe, es warten noch viele viele gemeinsame Laufabenteuer auf uns – ich bin stolz auf Dich, dass Du mit gutem Beispiel vorangegangen bist und uns trotz allem und bei allem so toll unterstützt hast. Danke dafür! <3

  3. Liebe Andrea,
    ich kann Deine Begeisterung für diese Region verstehen, habe 4 Jahre in Jordanien gelebt und 2015 dort am Toten Meer mein allererstes Rennen über 10km (bin also immernoch Laufnovizin!) bestritten.
    Schade, dass die Erkältung Deine eigentlichen Laufpläne so über den Haufen geworfen hat. Aber bei einer so begeisterteten Läuferin wie Du es bist, warten noch ganz viele spannende Laufabenteuer auf Dich und ich freue mich, wenn ich dann darüber lesen kann. 😉
    Viele Grüße aus Berlin und vielleicht sehen wir uns am Wochenende in Cuxhaven, wo ich den Halbmarathon laufen werde,
    Yvonne

    1. Liebe Yvonne,
      das ist ja spannend! Ich würde furchtbar gern mal den Death Sea Ultramarathon laufen. War einmal in Jordanien, es war traumhaft!
      Das würde mich sehr freuen, wenn wir uns Sonntag sehen! Also vielleicht bis in Cuxhaven,
      liebe Grüße,
      Andrea

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