Blöder Start, tolles Finish: der Marathon in Rom

In meiner Vorbereitung für THE TRACK im australische Outback versuche ich gerade, so viele lange Trainingsläufe wie möglich als schöne Wettkämpfe zu laufen. Einer davon war kürzlich der Marathon in Rom.

Rom ist eine wunderbare Stadt, früher war ich oft dort, da war Rom meine Lieblingsstadt. Nun war ich seit vielen Jahren nicht da, und ich habe mich entsprechend sehr gefreut, als Pascal vorschlug, seinen ersten Marathon seit gut zwei Jahren in der Ewigen Stadt laufen zu wollen.

Gesagt, gebucht und angemeldet. Dies war ein Marathon-Wochenende, an dem das Tapering durch einen kleinen Morgenlauf und unzählige gegangene Kilometer am Vortag ersetzt wurde. Pasta-Party gab es zwar, aber wir haben zwei Tage lang so viel und so gut gegessen, dass die Hose nach dem Marathon enger war als vorher. Und der gute Wein am Abend vorher… naja, so war das eben.

Und der Marathon selbst? Sagen wir mal so, der Rom Marathon und ich hatten einen ziemlich schwierigen Start und es hat mehrere Stunden und 35 Kilometer gedauert, bis ich mit ihm versöhnt war. Und das kam so: Im Vorfeld war schon alles ein wenig chaotisch: Gerade hatte ich das Attest hochgeladen und dies auch bestätigt bekommen, da bekam ich wenige Tage später eine Alarm-Mail, dass meine Anmeldung „irregulär“ sei, da ich kein Attest habe und daher nicht starten dürfe. Ein paar Mails später war dieses Problem immerhin aus der Welt.

Die Expo und die Startnummernausgabe waren entspannt, am Renntag dann aber völliges Chaos. Unsere Unterkunft war nur ein paar Schritte von der Via dei Fori Imperiali entfernt, wo sich Start und Ziel befanden. Ein Ordner schickt uns jedoch weg und zwar über die Piazza Venezia um das Forum Romanum herum. Auch die nächste Möglichkeit, in Richtung Start abzubiegen, wird uns von Ordnern versperrt. In strömendem Regen hetzen wir weiter, sind irgendwann am Circus Maximus. Da ich am Abend vorher, wie immer vor solchen Rennen, sorgfältig den Streckenplan studiert habe, weiß ich, dass wir nun schon mehr als zwei KIlometer der Marathonstrecke hinter uns gebracht haben – nur eben, dass für uns das Rennen noch nicht begonnen hat, wir noch weit vom Start entfernt sind und eben dieser Start zumindest für die schnellen Läufer genau in diesem Moment erfolgt. Ich bin angesichts dieser Konstellation, im übrigen nass bis auf die Haut, so wütend, dass ich quasi ausspucke: „Ist das der verf***e Circus Maximus?“

Ordner schicken uns weiter. Wir rennen durch wirklich heftigen Regen, der Boden ist rutschig und voller riesiger Pfützen. Wir kommen an einen Eingang, an dem ein Schild uns informiert, dass es noch 1000 Meter bis zum Start sind. Wir rennen schneller. Noch zwei Minuten bis zum Start unserer Startwelle.

Am Ende rennen wir mit den letzten Läufern durch den Startbogen, ich bin nass und ko und so genervt und überlege für einen kurzen Moment, es einfach zu lassen. Aufhören, zurück ins Bett!? Das mache ich dann natürlich doch nicht, sondern laufe schlecht gelaubt weiter. Es gibt Fotos aus dieser ersten Phase des Rennens, ungefähr bei Kilometer eins, auf denen ich so schlecht gelaunt aussehe, dass es schon wieder ziemlich lustig ist.

Irgendwann hört der Regen auf, immerhin. Meine schlechte Laune bleibt. Selten war ein Marathon für mich von Anfang an ein solcher Kampf. Vorbei am Petersdom, selbst dieser Anblick stimmt mich heute nicht froh.

Irgendwann wird es dann doch gut, fange ich an, diesen Marathon zu mögen. Das beginnt bei Kilometer 35 auf der Piazza del Populo, wo die Stimmung gut ist, die Sonne scheint und die Szenerie ausgesprochen hübsch ist. Danach bleibt es schön, vorbei an der Spanischen Treppe, über die Piazza Navona in Richtung Piazza Venezia.

Noch einmal die Runde, die wir vom Morgen so gut kennen, Richtung Circus Maximus, abbiegen in Richtung Colosseum und dann neben dem Forum Romanu ins Ziel laufen, Hand in Hand mit Pascal. Die Welt ist wieder in Ordnung. Hat einen Moment gedauert heute, das kann ja mal passieren. Auch das ist Marathon.

Den Rest des Tages haben wir vor allem gegessen. Eine große Pizza, ein Eis, abends eine Lasagne. Das durfte ich, schließlich war ich einen Marathon auf der Basis eines Croissants zum Frühstück in einer kleinen Bar und drei Orangenscheiben auf der Strecke gelaufen. Und das auch noch mit schlechter Laune!

Die Medaille übrigens! Die ist wunderschön, allein dafür würde es sich eventuell, ganz vielleicht, lohnen, wiederzukommen. Ich weiß ja jetzt, aus welcher Richtung man ganz sicher nicht zum Start kommen sollte…

(Fotos: ENDU, privat)

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