Marathon mit Vampirumhang in Vermont

Schon seit geraumer Zeit wollte ich euch von einem ganz feinen Event berichten, doch die Arbeit an meinem Buch hat alles verzögert. Jetzt aber, endlich: Ende Oktober bin ich den Nor´witch Halloween Fullwitch Marathon in Norwich/Vermont gelaufen, und es war mir ein Fest!

Schon mal mit Vampirumhang 42,195 Kilometer gelaufen? Ich jetzt schon – und das war anstrengend (knapp 1.000 Höhenmeter inklusive), witzig und familiär. Adam und Eliza, ein zauberhaftes Läuferpaar, haben den Nor´witch Halloween Marathon zum ersten Mal veranstaltet. Da ich gerade beruflich in Burlington/Vermont, der Heimatstadt von Ben & Jerrys war, hatte mich die Ankündigung des Events natürlich ganz nervös gemacht und ich wollte unbedingt hin. In den ersten Tagen in Vermont hatte ich schon ganz wunderbare Läufe am Lake Champlain, nun wollte ich aber gerne noch einen Wettkampf laufen.

Morning Run am Lake Champlain

Wenige Tage vorher fand ich über Facebook eine Mitfahrgelegenheit und habe mich angemeldet. Auf dem Weg nach Norwich lag teilweise Schnee, ich hatte angesichts des Kälteeinbruchs noch einen Tag Powershopping einlegen müssen, da ich gar nicht recht auf Winter eingestellt war. Das Wetter war dann aber sehr in Ordnung, ich konnte während des Marathons sogar meine Windjacke ausziehen und war nur noch in besagtem Vampirumhang unterwegs. Der wiederum gehörte der Tochter meiner Vermieterin, sie hatte ihn mir netterweise geliehen, da ich meinen ersten Halloween-Marathon in den USA doch halbwegs angemessen bestreiten wollte.

Start- und Zielbogen

Organisator Adam begrüßte mich bei der Startnummernausgabe herzlich: „Wow, Andrea, ich habe auf der Seite der Deutschen Ultramarathon Vereinigung nachgeschaut. Das ist ja krass, was du so für Rennen läufst!“ Ich habe ihn ungläubig angestarrt und dann gestammelt, dass mir das noch nie bei einer Startnummernausgabe passiert ist. Adam fand das ganz normal: „Ich will doch meine Läufer kennen!“ Außerdem waren Eliza und Adam ganz begeistert, dass ich ihr Event nun durch meine Teilnahme direkt bei der Erstaustragung zu einem internationalen Wettkampf mache. Haha, gern geschehen!

Das Rennen war sehr fein, zwar ging es häufig auf der Straße entlang, dann aber auch über schöne Waldwege und immer durch die wunderbare bunte Kulisse, die die Neuengland-Staaten im späten Indian Summer bieten. Die Verpflegungsstationen waren zwar teilweise verwaist, da einige Helfer wegen des Kälteeinbruchs kurzfristig abgesagt hatten, das machte aber nichts, es gab alles, was ich brauchte, ich musste es mir halt manchmal selber nehmen. Die Halloween-Süßigkeiten habe ich ausgelassen, fand aber witzig, dass es sie gab.

(Joe Viger Photography)
(Joe Viger Photography)

Da der Start des 50-Kilometer-Laufs wetterbedingt um eine Stunde verschoben worden war, liefen wir zusammen los, bis sich irgendwo auf der Strecke, schon nach der Halbmarathonmarke, die Strecken trennten. Meist war die Strecke eher einsam, waren aber Leute da, feuerten sie auch an. Es ging rauf und runter, gefühlt die ganze Zeit eins von beiden, nur selten war die Strecke vollkommen flach. Die letzten Anstiege fielen mir schwer, waren aber fast alle laufbar und so kam ich nach etwa viereinhalb Stunden sehr happy ins Ziel. Trotz des Umhangs hat das mit dem Fliegen zwar nicht geklappt, aber daran kann ich ja noch arbeiten.

Im Ziel haben Adam und Eliza mich dann neben einer wunderbaren Medaille, an der die Hexe auf ihrem Besen tatsächlich hin und herfliegen kann, noch mit der Trophäe „Spirit of the Witch 2018“ überrascht und erfreut. Eine Schiefertafel, auf der zu lesen ist: „Ob mutig, dumm oder verrückt, dieser Läufer verkörpert das Herz des Wettbewerbs und des Sports am meisten“. Was für eine feine Trophäe, nicht wahr?

Ich hoffe, dass dieser Spirit mich in diesem Jahr durch mein bisher längstes Rennen überhaupt trägt: 520 Kilometer im australischen Outback bei THE TRACK im Mai. „Mutig, dumm oder verrückt“ scheine ich ja zu sein. Ich werde sicher manch eine Trainingseinheit im schönen Langarm-Finishershirt des Nor´witch Halloween Fullwitch Marathon laufen. Das haben mir Adam und Eliza übrigens noch eigens nach Deutschland nachgeschickt, da ich am Marathontag eine falsche Größe bekommen habe.

Ich hoffe sehr, irgendwann noch einmal hier starten zu können. Es hat großen Spaß gemacht, und wenn ihr mal in der Nähe seid, schaut unbedingt, ob es gerade ein feines Event von Nor’east Trail Runs gibt!

 

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