61 Kilometer in Innsbruck als Geburtstagsgeschenk

War das schön! Musik im Startblock, Läuferinnen und Läufer klatschen in die Hände, wippen im Takt, die vor Wettkämpfen übliche freudige Aufregung war förmlich zu greifen. Danke Innsbruck Alpine Trail Festival, danke an die Laufwerkstatt dafür, dass ein solches Event in Zeiten von Corona möglich war!

Es gab Regeln, es gab Änderungen, ein vernünftiges Hygienekonzept musste vorgelegt und genaustens eingehalten werden. Bei der Startnummernausgabe war alles auf Abstand, sowohl dort als auch beim Start und an den Verpflegungsstationen mussten wir Mund und Nase bedecken, entweder mit einem klassischen MNS oder mit einem Multifunktionstuch. Die Hände waren an den Checkpoints zu desinfizieren, die Verpflegung durften wir nicht selbst nehmen, sondern alles haben uns die unglaublich netten Helferinnen und Helfer gereicht.

Das war alles super organisiert, alle haben mitgemacht und sich an die Regeln gehalten, es hat funktioniert. Denn wie unglaublich dankbar waren wir alle, dass wir nach Innsbruck reisen durften, mit einer Startnummer an einen echten Start auf eine echte Strecke mit echten Mitläufern gehen durften. Nichts gegen virtuelle Rennen, wirklich nicht, ich habe zahlreiche davon gemacht in den letzten Monaten und war immer wieder dankbar für diese Möglichkeit. Aber wie wunderbar war nun dieses echte Rennen.

Diese tief empfundene Dankbarkeit war allgegenwärtig am Wochenende in Innsbruck. Die einzelnen Läufe über Strecken zwischen 7 und gut 100 Kilometer waren über mehrere Tage verteilt, um Start und Ziel, Strecke und Checkpoints nicht zu voll werden zu lassen.  Während die richtig langen Distanzen am Freitagabend um 23 Uhr starteten, ging es für mich um kurz vor 10 Uhr am Samstag auf die Strecke des K65, der in diesem Jahr 61,5 Kilometer mit offiziell 1700, meiner Uhr zufolge am Ende 1950 Höhenmetern hatte.

Wegen all der Rennabsagen war dies mein erster Ultra in diesem Jahr, richtig auf einen Ultra trainiert hatte ich auch nicht, da überhaupt erst seit Anfang August feststand, dass das Rennen wirklich stattfinden durfte. Es würde also irgendwann wehtun, das war klar, die Frage war, wie früh.

Es ging erstaunlich gut, und das recht lange. Überhaupt war ich so dankbar, hier laufen zu dürfen, endlich wieder einen Wettkampf, in schöner Landschaft, und dann auch noch an meinem Geburtstag! Genau, es war mein Geburtstag! Langsam habe ich es angehen lassen, zunächst ging es durch die schöne Sillschlucht bis zum Natterer See, wo nach knapp 12 Kilometern bereits die erste Verpflegungsstation auf uns gewartet hat – und auf mich haben dort Pascal und meine Eltern gewartet, das war schön!

Bis zur dritten Versorgung bei Kilometer 30 am Höttinger Bild gab es zumeist wunderbare Trails oder auch breitere Wanderwege, die über weite Strecken gut zu laufen waren, die richtig steilen Passagen sowohl hier als auch in der Folge waren eher kurz. Angesichts sommerlicher Temperaturen war das auch gut so.

Bei Kilometer 41 war schon der vorletzte Checkpoint erreicht, hier wartete wieder meine Familie auf mich, ich habe viel Cola getrunken, ein bisschen was gegessen, und bereits zum zweiten Mal hat einer der supernetten Helfer meine leider durchlöcherte Trinkflasche mit Klebeband wiederhergestellt.

Sehr frohen Mutes bin ich weitergelaufen, positiv überrascht davon, wie gut es mir geht. Beim Downhill wieder einige nette Mitstreiter überholt, von denen ich wusste, dass ich sie beim nächsten Anstieg wieder treffen würde. Kurz danach war es sehr plötzlich, zack, mit der sehr positiven Stimmung vorbei. Mannomann, was waren die Beine plötzlich schwer! Und dann war ich in Hall in Tirol! Das ist eine wunderschöne Stadt, eigentlich alles fein, aber als ich vor einigen Jahren hier in Innsbruck den K85 gelaufen bin, habe ich mich in Hall in Tirol kurz verlaufen, einmal falsch abgebogen, danach keine Markierung mehr gefunden, das ganze ungefähr bei Kilometer 70 und völlig am Ende… Daran musste ich nun natürlich denken, als ich mit schweren Beinen durch die wunderschöne Altstadt geschlurft bin.

Erst ging alles gut, nochmal meine Familie getroffen, die sich hier bis zum Zieleinlauf entschuldigte und sich ein Café in Hall in Tirol suchte, um mit Aperol Spritz auf mich und meinen Geburtstag anzustoßen. Ich also weiter. Nach einer Unterführung ist es mir tatsächlich wieder passiert: Den auf den Boden gemalten Pfeil, der in einen Hausdurchgang führte, übersehen und zack, wieder falsch und auf der Suche nach Markierungen! Zum Glück hat meine Uhr mich derart penetrant angepiept mit der Nachricht, dass ich auf dem falschen Track war, dass ich es schnell gemerkt habe.

Hinter Hall ging es wieder auf Trails und wieder bergan. Aber irgendwie war es jetzt wieder alles ok, das war ja schließlich so was wie der Endspurt. Naja, ein Endspurt ohne Spurt halt.

An der letzten Versorgungsstation am Herzsee sagte man mir nun seien es nur noch 5,6 Kilometer bergab. Wow, das klang gut. Cola getrunken, eine Handvoll Chips gegessen und weiter ging es. Schließlich wollte ich im Hellen ankommen.

Nach gut neuneinhalb Stunden bin ich in den Zielbereich in der Olympiaworld eingebogen. Müde, mit schweren Beinen, zwei schmerzenden Zehennägeln, aber superhappy. Was für ein wunderbares Geburtstagsgeschenk ich mir selbst gemacht habe, mir aber vor allem die Organisatoren und das gesamte Team des Innsbruck Alpine Trail Festival gemacht haben – Tausend Dank dafür!

Am nächsten Tag durfte ich für ein paar Fotos und Videoaufnahmen nochmal hoch zur Nordkette (danke Philipp Reiter für tolle Fotos, Spaß und dafür, dass Du mein Jammern über schwere Beine ertragen hast 😉 ) , während Pascal beim K25 von Kranebitten nach Innsbruck gelaufen ist.

Was für ein großartiges Wochenende in Innsbruck! Herzlichen Glückwunsch an alle Finisher und danke an all die anderen Verrückten, die ich auf der Strecke getroffen habe und mit denen ich hier und da ein paar nette Worte wechseln durfte. Es war schön mit euch!!!

(Fotos: privat, Sportograf, Philipp Reiter)

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