Auf dem Weg zum Trans Alpine Run

Immer wieder werde ich fragend angeschaut, wenn ich von meinen Trainingsläufen am frühen Morgen oder am Abend erzähle, oder von meinen langen Läufen am Wochenende. Und von den vielen Wettkämpfen, einige davon über gar nicht so kurze Distanzen… Geht das alles denn überhaupt, wenn man einen Beruf hat, der einiges an Überstunden verlangt bzw. in dem man die Arbeitsstunden gar nicht so genau zählen kann?

Ja, das geht, und gerade da geht das oder ist für mich sogar notwendig, will ich nicht durchdrehen. Zugegeben, es erfordert manchmal einiges an Disziplin, und Zeiten für andere Hobbys müssen ziemlich runtergekürzt werden (im Theater oder Kino war ich früher definitiv häufiger). Aber der Gewinn, den ich aus dem Laufen ziehe, ist so gigantisch groß, dass er alles wettmacht.

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Meinen Körper zu fordern und intensiv zu spüren, draußen in der Natur zu sein, durch Dreck und Schlamm oder aber herrlichen Sonnenschein zu laufen – das macht mir den Kopf frei und hat etwas Meditatives, es lässt mich durchatmen und danach umso effektiver arbeiten, was die Frage nach der Zeitknappheit gleich ganz anders wendet. Und es macht mich glücklich. Ja, so einfach ist das.

Nicht immer, manchmal muss ich mich furchtbar quälen. Letztes Jahr habe ich meine ersten Ultraläufe bestritten, jeweils knapp 60 Kilometer mit etwa 2000 Höhenmetern. Das tut irgendwann weh, da wird der Lauf zum Kampf gegen dich selbst, gegen das Verlangen, einfach aufzuhören, stehen zu bleiben. Gleichzeitig fühle ich mich in dieser extremen Belastung aber so unglaublich lebendig, lebe so ungeheuer intensiv. Das ist es wert. Und der Zieleinlauf ist nach einem solch schwierigen Lauf gigantisch. Das Gefühl, durchgehalten und es geschafft zu haben, gibt mir außerdem sehr viel mit auf den Weg für mein „sonstiges“ Leben, das kommt mir auch im Beruf zu Gute: Ich weiß, ich habe Ausdauer, gebe nicht so schnell auf.

Um mich morgens um sechs Uhr völlig übermüdet aus dem Bett zu quälen, brauche ich große Ziele, das packe auch ich sonst nicht. Dieses Jahr steht Ende August/Anfang September der absolute Höhepunkt meines bisherigen Läuferlebens an: Der GORE-TEX Trans Alpine Run. Andreas Ambach (Nürnberg) und ich gehen gemeinsam als TRAILteam ERDINGER alkoholfrei an den Start. In acht Etappen über die Alpen, ca 293 Kilometer mit knapp 14.000 Höhenmetern. Start ist am 30. August in Ruhpolding, Zieleinlauf acht Tage später in Sexten. Es wird der Hammer – ich freu mich wie verrückt, habe aber auch gehörigen Respekt. Und dieser Respekt lässt mich laufen und laufen und laufen!

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