Endlose Weiten, tolle Landschaften: der Gobi March 2018 in der Mongolei

250 Kilometer durch endlose Steppen, Dünen und Gebirgslandschaften, vorbei an Pferdeherden und manchmal auch Kamelen – der Gobi March von Racing the Planet, einer der Läufe in der 4 Deserts-Serie, fand in diesem Jahr zum ersten Mal in der Mongolei statt, und er war ein wunderbares Erlebnis. Und manchmal auch sehr nass.

Aber der Reihe nach. Irgendwann im Juli, ich sitze im Flieger von Frankfurt nach Ulaanbaatar, irgendwo über Novosibirsk, wie die Karte auf dem Bildschirm vor mir verrät. Ich ziehe meine Schuhe aus. Bereits das Ultra Africa Race in Mosambik bin ich mit ihnen gelaufen,  nun sollen sie in der Mongolei nochmal zum Einsatz kommen. Seit der letzten Etappe am Strand von Mosambik hatte ich sie nicht mehr an. Als ich sie nun, nach mehreren Stunden im Zug und im Flugzeug, ausziehe und meine Zehen bewege, spüre ich etwas sehr vertrautes: Ich habe Sand zwischen den Zehen. Da ist eindeutig feiner Sand durch meine Socken zwischen meine Zehen geraten. Ich werte dies als gutes Zeichen, der Sand aus Mosambik wird mir Glück bringen, ebenso wie der kleine Wüstenlöwe an meinem Rucksack, der bei allen meinen bisherigen Etappenrennen dabei war. Davon bin ich überzeugt.

Das kann ich gebrauchen, wieder war mein Training nicht so gut, wie ich es gern gehabt hätte. Zu viele Dienstreisen, auf denen ich oft vor den Terminen nur kurz am Morgen laufen war statt mehrere Stunden mit schwerem Rucksack, haben meinen Trainingsplan sabotiert. Ich vertraue darauf, dass mein Körper inzwischen auch so weiß, wie er mit diesen Belastungen umzugehen hat. Jedenfalls bin ich voller Vorfreude und kann es kaum erwarten, dass es endlich los geht.

Wir sind wieder mit dem von Wüstenfuchs Rafael Fuchsgruber ins Leben gerufenen Little Desert Runners Club unterwegs, wie bereits ein gutes Jahr zuvor beim Sahara Race in Namibia. Einige sind aus dem Vorjahr wieder dabei, einige sind Rookies, eine super Mischung. Nach und nach treffen wir alle in Ulaabaatar ein, ich selbst mit vier Mitstreitern  am Donnerstagmorgen vor dem Rennen, eine durch Flug und Zeitverschiebung nahezu geklaute Nacht in den Knochen.

Fast jeder zweite der insgesamt über 3 Millionen Einwohner der Mongolei lebt in der Hauptstadt, es ist ein ziemlicher Moloch mit stark verschmutzter Luft und totalem Verkehrschaos. Die Autos haben das Lenkrad mal rechts, mal links, scheint hier nicht weiter drauf anzukommen.  Vom Flugzeug aus kann man schön beobachten, wie direkt hinter der Stadtgrenze wellige grüne Hügel beginnen, die Natur grenzt direkt an die Stadt und auch aus Ulaanbaatar selbst sieht man immer irgendwo im Hintergrund die Berge.

Plattenbauten, Hochhäuser, Karaoke-Bars, dazwischen die traditionellen weißen Jurten und auch mal eine buddhistische Tempelanlage – es ist eine seltsame Mischung, auf die man hier trifft. Schön ist es nicht. Mich verwundert nicht weiter, dass mein Reiseführer mich informiert, dass die meisten Touristen die Hauptstadt rasch verlassen, um in die Natur zu gelangen. Das haben wir ja auch vor.

Nach zwei Tagen Eingewöhnung, letzten Besorgungen für das Rennen und dem Einkauf von Souvenirs (ich freue mich schon, wenn ich meine nach oben geschwungenen Filzpantoffeln im Winter anziehen kann 😉 ), ist es endlich so weit: Samstagmorgen, 8.30 Uhr, 232 Starter aus 50 Ländern sind aufgeregt zum Race-Briefing zusammen gekommen, viele kenne ich bereits aus Namibia, freue mich, sie wiederzusehen. Wir lernen beim Briefing, dass das Wetter in dieser Jahreszeit in der Mongolei sehr schnell radikal umschlagen kann. Das nehme ich in dem Moment eher so zur Kenntnis, ohne ihm große Bedeutung zuzumessen. Das ändert sich in den nächsten Tagen noch.

Danach erfolgt der Equipment-Check, bei dem die umfassende Pflichtausrüstung gründlich, und zwar wirklich Stück für Stück, kontrolliert wird: Schlafsack, warme Jacke, lange Tight, Erste Hilfe Set (mit genau vorgeschriebenen Materialien, um Blasen zu versorgen), mindestens 2000 Kalorien pro Tag, Messer, Löffel, Stirnlampe, Ersatzlampe, blinkendes Rücklicht für die lange Etappe, Klopapier, Hand-Desinfektionsgel usw. 8,6 Kilo bringt mein Rucksack auf die Waage, dazu kommt dann noch das Wasser. Ich werde also mit 10 Kilo auf dem Rücken starten. Zum Glück isst man den Rucksack im Laufe der Woche ja nahezu leer.

Auschecken, Mittagessen, bei strömendem Regen in die engen Busse und los geht es. Endlich! Der Bus hat lila Gardinen und ist entweder zu warm oder zu kalt. Eine Polizeieskorte leitet uns durch das Verkehrschaos, die erste der etwa siebenstündigen Busfahrt verbringen wir damit, aus Ulaanbaator heraus zu gelangen. Lange Busfahrten machen keinen Spaß, selbst wenn es durch schöne Landschaften geht, und so sind wir alle froh, als wir am Abend am ersten Camp ankommen, das direkt an den unter Denkmalschutz stehenden Burgruinen von Khar Bukhiin Balgas liegt, was übersetzt „Stadt des Schwarzen Bullen“ bedeutet. Die Festung wurde im 17. Jahrhundert auf den Fundamenten einer alten Kitansiedlung aus dem 10. bis 12. Jahrhundert gebaut.

Wir steigen aus den Bussen und da ist er, der wunderbare Geruch, der uns in den kommenden Tagen immer wieder begleiten wird. Es duftet nach Lavendel und anderen Pflanzen und Kräutern, die ich gern zur Entspannung in mein Badewasser schütte – aber hier ist dieser Geruch intensiv und alles überlagernd, es ist ganz wunderbar. Wir stehen, schauen uns um, schnuppern. „Riechst du das?“ – „Oh, wie wunderbar!“ – „Riech doch mal!“. Davon nahezu betört beziehen wir unsere Zelte, jeweils zu siebt teilen wir uns die nächste Woche ein Zelt. In einem großen Oval sind die Zelte angeordnet, in der Mitte gibt es Tische und Stühle und Feuer, auf dem heißes Wasser für uns zubereitet wird. Die pinken Markierungen, die uns während des Rennens den Weg weisen, zeigen uns im Camp den Weg zu den ausgehobenen Latrinen: Loch im Boden, Bretter daneben, Plane drumherum. Einfach, aber sehr hygienisch.

Wie für uns bestellt, gibt es einen Sonnenuntergang, der so rot und so schön ist, dass es auf Bildern wie nachbearbeitet aussehen würde. An diesem Abend liege ich glücklich auf meiner Isomatte in meinem Schlafsack. Endlich geht es los! Ich bin gesund und unverletzt bis hierher gekommen, dann wird auch jetzt alles gut, davon bin ich überzeugt.


(Foto: Rene de Klein)

 

  1. Etappe: Wide Open Mongolia – 39,6 Kilometer, 556 Höhenmeter Auf- und 452 Höhenmeter Abstieg

Am ersten Morgen habe ich wieder das typische Such- und Packchaos, das ich von meinen bisherigen Etappenrennen kenne. Es dauert ein bisschen, bis alles zur Routine wird, ich alles sofort finde, was ich morgens brauche und der Rucksack rasch gepackt ist. Das ist aber normal, also bringt mich die kurzzeitige Hektik nicht wirklich aus der Ruhe. Pünktlich zum allmorgendlichen Streckenbriefing bin ich fertig, die Sonnencreme kann auch noch aufgetragen werden, während ich den Hinweisen für heute zuhöre. Dann gehen wir alle hinter den roten Start- und Zielbogen, der uns nun eine Woche lang begleiten wird – und laufen los. Endlich!

Der Name, den der Veranstalter der heutigen Etappe gegeben hat, trifft sehr gut: wir laufen durch eine endlos weite Steppe, begleitet über weite Strecken von dem wunderbaren Duft, mit dem die Pflanzenwelt uns hier verwöhnt. Die Strecke ist nicht besonders schwierig, es sind staubige Pisten, der Boden eher weich, mal etwas hoch, mal wieder runter, aber nichts technisches, so dass ich immer wieder in die Weite schaue und staune. Es hat viel geregnet zuletzt, so dass wir einzigartige Farbspiele geboten bekommen: Der Grundton ist grün: aber die Pflanzen sind auch lila, manchmal gelb, es ist ein wahrer Rausch für Nase und Augen. Im Hintergrund Berge, vorne immer wieder, wie für uns in die Landschaft gestellt oder gemalt: Pferdeherden. In der Mongolei gibt es mehr Pferde als Menschen, das hatte ich gelesen, jetzt glaube ich es.

Wir kommen an vereinzelten Jurten vorbei, wo die Nomaden uns neugierig, oft verwundert, aber freundlich anschauen. Manchmal klatschen Kinder uns ab.

Eine erste Flussquerung durchlaufe ich, ohne weiter darüber nachzudenken. Mein eher hohes Anfangstempo muss ich bald drosseln, rechtzeitig fällt mir ein, dass ich ja nicht so richtig gut trainiert und sechs Etappen und sieben Tage vor mir habe.  Und so überholt mich bald erst Gabi, dann Tanja vom Little Desert Runners Club. Macht aber nichts. Ich bin so glücklich, dass ich hier laufen darf. Langsam, aber sicher, mache ich Kilometer, unterhalte mich zwischendurch mit netten Mitläufern und-läuferinnen aus aller Welt. Ich liebe diese Rennen!

Die letzten Kilometer vor dem Ziel erfordern nochmal alle Aufmerksamkeit, sind aber zugleich lustig. Es führt durch ein eher sumpfiges Gebiet, in dem ich versuche, immer die trockenen kleinen Hügel zu erwischen, statt knöcheltief im Schlamm zu versinken (und vielleicht meinen Schuh zu verlieren) – klappt, kostet Zeit, macht Spaß. Kurz vor dem Ziel, ich sehe es schon und höre die Trommel, die jeden Läufer begrüßt, reiten drei Kinder auf ihren Pferden an mich heran. „Welcome to Mongolia!“ rufen sie und strahlen mich an. Stolz sitzen sie auf ihren Pferden, die jungen Nomaden. Ich lächle sie an, rufe zurück: „Thank you, it is so beautiful here!“ Ob sie mich verstanden haben, weiß ich nicht, aber sie scheinen sich auf ein Wiedersehen zu freuen: „See you, see you!“ Klar. „See you!“, brülle ich zurück und mache mich lachend auf die letzten Meter.

Glücklich, wenn auch mit etwas schmerzendem Nacken (die Sache mit dem 10-Kilo-Rucksack…), komme ich ins Camp, beziehe mein Zelt, trinke einen Regenerations-Getränk und esse ein paar Snacks. Camp-Routine halt. Ich mag das, mochte es schon bei meinen bisherigen Etappenrennen so sehr. Alles ins reduziert auf das Wesentliche: Schlafen. Essen. Laufen. Essen. Dazwischen ein bisschen mit Gleichgesinnten reden. Alles entspannt. Kein Internet, keine Social Media. Ein Traum!

 

  1. Etappe: Nomadic Wilderness – 48,1 km, 1061 Höhenmeter im An- und 805 Höhenmeter im Abstieg

Angesichts der Länge der heutigen Etappe und der über 1000 Höhenmeter, schnalle ich heute meine Trekkingstöcke vom Rucksack. Wenn es flach ist oder bergab geht, laufe ich, bergan marschiere ich, um Kräfte zu sparen. Das klappt gut, auch wenn es mir heute phasenweise schwer fällt, ich nicht so richtig von der Stelle komme. Aber das gehört dazu, wenn es immer nur einfach wäre, wäre es erstens kein Ultra und zweitens würde es jeder machen. Schon auf dieser Etappe spielt es sich ein, dass ich immer wieder dieselben Läuferinnen und Läufer unterwegs treffe. Mal überhole ich, mal werde ich überholt. Meistens gibt es ein freundliches Wort, manchmal kommt nur ein etwas leidender Blick.

Die Strecke jedenfalls – ist wieder wunderschön.

Und siehe da, irgendwie komme ich doch vorwärts. Nach dem letzten Checkpoint gibt es ein paar sehr schöne Downhills, das ist genau nach meinem Geschmack. In der Ferne sehe ich hinter leuchtend gelben Feldern Felsformationen, die mich an das Monument Valley erinnern, es ist beeindruckend und wunderschön. Ich darf nicht zu viel in die Landschaft schauen, der Weg hinunter erfordert volle Konzentration, bis wir auf eine Art Schotterpiste kommen. Die ist zwar langweilig und zieht sich, aber ich kann auslaufen, ohne Gefahr zu laufen, hinzufallen oder umzuknicken, jetzt, wo ich etwas müde bin. An einem heiligen Felsen, einer kleinen Tempelanlage, stoppe ich kurz für ein Foto mit Jason, den ich meist gegen Ende der Etappen treffe, dann geht es weiter.

Es nimmt kein Ende, aber irgendwoher nehme ich noch die Kraft, einige Läufer auf diesem Schlussstück zu überholen. Und dann höre ich die erlösende Trommel und laufe nach gut siebeneinhalb Stunden ins Ziel.

Dieses dritte Camp ist wunderschön, wir übernachten nicht in Zelten, sondern in traditionellen Jurten, die wie hingemalt vor einer imposanten Fels-/Bergkulisse stehen. Eine tolle Atmosphäre, außerdem kann ich vor der Jurte sitzen und mich anlehnen – was für ein Luxus! Trinken, Suppe, Salami, mit anderen Finishern reden, bis es das „richtige“ Abendessen gibt: Trekkingnahrung aus der Tüte mit vielen Kalorien.

Die Nacht ist gut, in der Jurte ist mehr Platz als im Zelt, der Boden zudem ganz eben, ich schlafe besser und am nächsten Morgen… verschlafe ich sogar. Sonst bin ich immer spätestens zwei Stunden vor dem Start aufgestanden, da hier das Gelände aber viel weiträumiger ist, wurde ich nicht pünktlich von den Stimmen vor den Zelten wach. Nur noch anderthalb Stunden, ich verfalle in leichte Hektik. Klappt natürlich trotzdem. Vor dem Start machen zwei Mongolen für uns Musik, zum ersten Mal höre ich live die typische Pferdekopfgeige.

 

  1. Etappe: From the Mountains to the Dunes – 42,5 km mit 592 Höhenmetern im Auf- und 716 Höhenmetern im Abstieg

Die Berge hinter dem Camp waren genau so lange sehr malerisch, bis ich begriffen habe, dass wir zu Beginn der dritten Etappe genau da rauf müssen. Eine ziemliche Kraxelei, aber auch schön, das entschleunigt den Start, in einer langen, langen Reihe schlängeln wir uns hinauf, häufig müssen wir die Hände zur Hilfe nehmen.

Das Gute an einem steilen Berg, den man rauf muss? Genau, der folgende Downhill, und der ist auch in diesem Fall ein Traum, macht richtig Spaß. Kurz hinter einem kleinen Kloster folgt schon der erste Verpflegungspunkt, dann geht es relativ flach weiter. Ich laufe, heut geht es gut bei mir. Aber dann muss ich anhalten. Unbedingt!

Ein Kamel mit Reiter. Da muss ich natürlich Fotos machen. Vermutlich hat der Veranstalter die beiden herbestellt, so malerisch, wie sie direkt an der Strecke stehen. Ist mir aber egal, es ist ein echtes Kamel und ein echter Mongole! Einer der netten einheimischen Helfer aus dem Organisationsteam, der eben eines der Kamerateams hergefahren hat (ja, auch die Profis wollen Kamelfotos…), nimmt mein Smartphone, um ein Foto von mir mit dem Kamel zu machen. Meine heutige Lektion: Kamele küsst man nicht! Als ich fürs Foto andeute, das Kamel zu knutschen, kommt es erstens auf mich zu, reißt zweites sein Maul sehr weit auf und schreit drittes dabei. Alles zusammen. Mein ungefähr drei Meter weiter Rückwärtssprung sorgt für allgemeines Gelächter und das danach entstandene Foto zeigt mich in respektvollen Abstand zum Kamel.

Kurz danach eine Schrecksekunde mit direkt folgender Erleichterung: Hinter mir höre ich: „Andrea, do you have a lion?“ Ich schaue nach unten an meinen Rucksack, wo ich meinen kleinen Wüstenlöwen knapp über einer meiner beiden Trinkflaschen befestigt habe. Er ist weg. Mein Glücksbringer, der Löwe, der bei jedem Etappenrennen dabei war, ist weg. Ash, ein netter Mitläufer, kommt von hinten herangestürmt, meinen Löwen in der Hand: „Ich habe ihn auf dem Weg gefunden, überlegt, ob ich ihn mitnehme und dann gedacht, ich frage mal die nächsten Läufer, ob er ihnen gehört. Du bist die erste, die ich frage.“ Überglücklich nehme ich meinen kleinen Löwen und befestige ihn wieder (abends dann noch doppelt gesichert mit einer Sicherheitsnadel) und bedanke mich derart überschwänglich bei Ash, dass der nur noch lacht.

Wenig später geht es in die Dünen. Es ist schön, aber Kräfte zehrend, da es im Sand immer auf und ab geht. Andere können das schneller als ich und ich werde mehrfach überholt. Die meisten hole ich aber später wieder ein, nachdem ich zweimal angehalten habe: Einmal, um den Sand aus meinen Schuhen zu schütten, ein weiteres Mal, nachdem ich gemerkt habe, dass noch mehr Sand in meinen Socken ist.

Nach den Dünen kommt der Fluss, auch da müssen wir durch.

Die letzten knapp zwölf Kilometer an diesem Tag kommen mir viel länger vor, lange Zeit denke ich, dass ich doch endlich das Camp sehen müsste. Das geht nicht nur mir so. „This is such a mind-game!“, stöhnt die Amerikanerin Kristy, als sie mich überholt. Doch irgendwann ist es zu sehen, unser Camp, durch hunderte, nein tausende violette Pflanzen geht es weglos ins Ziel.

Ich komme gerade noch trocken an, dann beginnt der Regen. Und in der Mongolei meint der Regen es ernst, das lerne ich jetzt und in den nächsten Tagen. Es schüttet. So richtig. Ich hocke im Zelt und warte auf die anderen Läufer. Immer, wenn der Eingang geöffnet wird, läuft Wasser ins Zelt. Ich liege in einer Pfütze. Das ist nicht schön. Die Latrinen haben natürlich ebenso kein Dach wie der Weg dorthin – die trockenen Klamotten klitschnass werden lassen oder ignorieren,  dass man mal muss? Die Organisatoren haben zwei Schwämme, die werden nun von Zelt zu Zelt gereicht, um den Eingangsbereich wieder trocken zu wischen. Eine ziemliche Sisyphusarbeit, beim nächsten Öffnen des Zelts ist alles wieder nass.

Am Abend beschließt der Veranstalter, den Start der langen Etappe am nächsten Tag von 8 auf 10 Uhr zu verschieben, damit wir mehr Zeit haben, unsere Laufsachen zu trocknen. Es schüttet weiter. Zum ersten Mal benutzen wir unsere Mützen aus der Pflichtausrüstung, denn jetzt ist es, vermutlich durch die Nässe, auch kalt. Später am Abend, wir liegen schon alle auf unseren Schlafsäcken, auf meiner Seite des Zelts möglichst weit weg vom nassen Eingangsbereich, ist neben und über uns ein ganz seltsames, lautes Geräusch zu hören. Wenn es nicht stockdunkel wäre, würden wir uns vermutlich erstaunt ansehen. Es ist aber stockdunkel. Es dauert einen Moment, bis wir realisieren, dass unser Zelt gerade in eine zusätzliche wasserdichte Folie eingepackt wird, da es den auf uns herabregnenden Wassermassen nicht mehr stand hält. Gut, wir werden nicht ertrinken heute Nacht, aber vermutlich ersticken. Irgendwas ist immer!

Wie es weiter ging??? Das lest ihr angesichts der Länge dieses Textes in einem zweiten Teil 🙂

(Fotos: privat, Rene de Klein, Racing the Planet)

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