Gastblog: Sonja berichtet vom Schlierseelauf

Nachdem meine Kollegin Andrea und ich gemeinsam am Schliersee-Sixtus-Lauf teilgenommen hatten, wartete ich gespannt auf ihren Bericht in diesem Blog. Es kam keiner. Ja, der Lauf sei wirklich schön gewesen, sehr gut organisiert, ganz tolle Veranstaltung, aber sie habe persönlich nichts zu berichten, keine Geschichte zu erzählen. Wie, nichts zu berichten?!?

Ich verfolge den Blog seit Anbeginn mit großem Interesse (obwohl ich zu denjenigen gehöre, die Blogs prinzipiell für reine Zeitverschwendung halten – naja, man darf ja mal eine Ausnahme machen…) und jetzt war ich das erste Mal live dabei und es gibt nichts darüber zu schreiben?! Hey, das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich 7,5 km gelaufen bin, einmal um den Schliersee herum. Die kleinste Distanz, die ich wählen konnte und zugleich die längste, die ich je gelaufen bin.

Okay, bei Dir waren es 21 km, eben nichts Besonderes. Kein Ultrasuperlauf, keine Alpenüberquerung, keine Schneeschuh-Weltmeisterschaft, ja, halt nur ein gewöhnlicher Halbmarathon.

Für mich waren die 7,5 km bereits eine ziemliche Herausforderung. Meine bisherige knapp zweijährige Laufkarriere besteht aus zwei Münchner Firmenläufen, einem Bavarian Run und zwei Teilnahmen bei Race for the Cure, einmal in Washington D.C. und vor 10 Tagen in Rom. Internationale Wettkampferfahrung also. Aber über 6,2 km bin ich nie hinausgekommen. Und nach jedem bisherigen Firmenlauf kam der absolute Trainingsabfall, von ein bis zweimal pro Woche ein bisschen den Nymphenburger Kanal entlang joggen auf null mal irgendwohin laufen.

Das soll sich ändern. Ich brauche mehr Wettkämpfe. Mehr Ziele. Ganzjährig.

Rom und Schliersee waren schon mal zwei in den letzten zwei Wochen. Kontrastreicher hätten sie nicht sein können. Während ich in Rom zwischen Kolosseum, Forum Romanum und dem Circus Maximus umherlief, hatte ich nun die bayerische Bilderbuchlandschaft am Schliersee.

Die ersten drei Kilometer in der prallen Sonne waren hart. Binnen Sekunden waren die meisten Läufer (u.a. mein Mann) weg und hinter mir kamen nur noch die Nordic Walker und Walker. Herrje, aus meinem gedachten Ziel wurden schnell zwei: 1.) die Strecke durchlaufen ohne zu gehen und 2.) sich nicht von diesen laut klappernden Nordic Walkern überholen lassen. Die ersten Kilometer verliefen zäh. Ich sah ständig diesen Riesensee vor mir, den ich noch zu umrunden hatte und verspürte null Energie.

Ich wusste, dass es bei 3,6 Kilometern eine Versorgungsstation mit Obst, Schokolade und isotonischen Getränken gab und dachte an absolut nichts anderes mehr. Außer vielleicht daran, dass in den See zu springen bei der Hitze eine nette Alternative zum Laufen wäre.

Yes, irgendwann war sie da. Ich machte einen Mini-Stopp, um ein halben Becher Xenofit zu trinken und ein kleines Stückchen Banane zu essen. Es bewirkte beides Wunder. Von dem Moment an war der Rest der Strecke kein Problem mehr.

Die Läufer mit den längeren Disziplinen (10 km, 21 km), die ein bisschen umwegig gelaufen waren, um auf die entsprechende Distanz zu kommen, stießen nun auf dem gleichen Weg mit den 7,5 km-Läufern zusammen. Die letzten Kilometer hatte ich also wieder Begleitung, naja, genau genommen, wurde ich von da an laufend überholt, fand es aber durchaus spannend, sämtliche Laufshirts von allen möglichen Rennen (Gletschermarathon u.ä.) und auch den Laufstil der wahren Läufernaturen zu studieren. Als noch zwei Anstiege kamen, sind zu meiner Überraschung doch tatsächlich einige Läufer gegangen, während ich an ihnen vorbeijoggen konnte. (Nach den jeweiligen Anstiegen haben sie mich allerdings sofort wieder überholt).

Für einen Endspurt reichten die Kräfte noch locker und mir war nicht mehr klar, warum der Anfang so mühsam war.

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Während Andrea und mein Mann (wir drei kamen fast zeitgleich an, Andrea war früher gestartet) meinten, dass sie nach einem Lauf nicht sofort etwas essen könnten, habe ich mich erst einmal im Ziel über die gesponserte Verpflegung hergemacht: Käsesemmeln, Blechkuchen, Äpfel, Bananen, Schokolade, Heumilch-Joghurt, alkoholfreies Weißbier, Saftschorlen und Milch. Ich hatte alles und davon reichlich.

Schlemmen ganz ohne schlechtes Gewissen. Das hat auch etwas für sich. Und an meiner Laufzeit werde ich noch arbeiten, irgendwann. Und dass ich mich weiterhin für Wettkämpfe anmelde, dafür sorgt meine Kollegin Andrea. Vielleicht sind es das nächste Mal schon 10 km…

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