Spontan, hart und beglückend: der Swissalpine Marathon

Spontan einen anspruchsvollen Bergmarathon gelaufen, und das war dann gleich einer der schönsten Marathons, die ich je gelaufen bin: Der K42 beim Swissalpine Davos stand am Wochenende auf dem Programm.

Montag kam die Frage, per WhatsApp: Ob ich für einen verletzten Charity-Läufer einspringen und fünf Tage später den K42 mit seinen 42,2 Kilometern und 1830 Höhenmetern im Auf- und 1680 Höhenmetern im Abstieg laufen würde? Klingt für Außenstehende vielleicht absurd, war aber perfekt.

Bis zum Vortag war ich noch vier Tage lang auf Traumtrails im Pitztal unterwegs gewesen, trotzdem war klar, dass ich auch an diesem Wochenende auf jeden Fall ein paar Höhenmeter und Kilometer machen muss. Der Gore Tex Transalpine Run, bei dem ich zusammen mit Sandra Mastropietro als Team „laufen.de/ASICS Frontrunner“ an den Start gehen werde, rückt schließlich mit großen Schritten näher.

Dienstag Nachmittag kam die Zusage vom Veranstalter, dass der Startplatz auf mich umgeschrieben werden kann. Dienstag Abend habe ich ein Hotel gebucht und am Freitag ging es nach Davos. Start für den K42 ist in Bergün, ein Zug der Rhätischen Bahn brachte uns Läufer am Samstag Morgen durch schöne Landschaften und kleine Orte dorthin.

Das Wetter: ein Traum, blauer Himmel, wenige Wolken, Sonne pur. Es war am ehesten – zu warm, aber das ist ein Luxusproblem… Um 11 machen wir uns auf den Weg, laufen zuerst eine sehr hübsche Sechs-Kilometer-Schleife und dann geht es durch Bergün auf die Strecke.

Die allermeisten der gut 1800 Höhenmeter sind bis Kilometer 24 zu bewältigen, und so geht es meist bergauf, zuerst noch laufbar, irgendwann wird es zu steil und die meisten gehen zügig. Ich bin dankbar für jede Verpflegung, trinke viel, nehme Schwämme und schütte mir damit kaltes Wasser in den Nacken.

Richtig schweißtreibend ist der Aufstieg zu Keschhütte, vier Kilometer feine Trails, die meist steil nach oben gehen. Aber es ist so wunderschön, dass es mir teilweise nicht vor Anstrengung den Atem verschlägt, sondern weil ich einfach nur staune über diese Landschaft und mich freue, dass ich hier sein darf. Immer wieder bleiben auch andere Läuferinnen und Läufer stehen, schauen sich um, machen Fotos. Eine Gruppe Engländer überholt mich immer wieder oder ich sie, der eine jammert über die Hitze, alle bleiben sie ständig stehen, posieren auf Felsen für Fotos.

Aufstieg von Bergün hinauf zur Keschhütte 2632 Metern

(Foto: AlphaFoto)

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Die Keschhütte ist schon eine Weile zu sehen, aber es zieht sich und wird von Meter zu Meter anstrengender. Doch dann bin ich oben, genieße den Ausblick, beiße in ein Stück des leckeren „Alpinbrötli“ und trinke. Dann kommt ein erster kurzer, sehr schöner Downhill. Es macht so viel Spaß, nachdem es vorher immer nur kräftezehrend hoch ging. Ich laufe, überhole einige, wenn es geht, freue mich über die Energie, die plötzlich wieder da ist.

Bei Kilometer 22 wird es dann recht eng auf dem Trail, da zu uns K78- und K42-Startern nun auch noch die Läuferinnen und Läufer des zweiten Marathons, des S42, stoßen. Auf dem Anstieg zum Sertigpass führt das leider zu einem ziemlichen Stau, teilweise stehen wir fast. Ich versuche, mich nicht darüber zu ärgern, sondern stattdessen in die Landschaft zu schauen, wunderschöne kleine Bergseen sind unter mir zu sehen, an denen ich eben noch vorbei gelaufen bin.

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(Fotos: Ernesto Lein)

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(Foto: AlphaFoto)

Und dann kommt er endlich, der beim Start als „steil und technisch“ angekündigte Downhill. Da ich weiß, dass keine nennenswerte Aufstiege mehr folgen und ich meine Oberschenkel auch nicht für den nächsten Tag schonen muss, kann ich nach Lust und Laune hinunter rennen. Es macht so unendlichen Spaß, ich lasse einfach laufen und fliege hinunter. So fühlt es sich jedenfalls an nach all der Energie, die der lange, lange Aufstieg gekostet hat.

Irgendwann sind die Beine dann natürlich doch schwer wie Blei und auf den letzten Kilometern quält mich jede kleine Steigung. Trotzdem sind auch diese letzten Kilometer wunderschön, über weite Strecken laufen wir feine Trails im Wald, erst gegen Ende gelangen wir auf Straßenabschnitte und breite Wege.

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(Foto: AlphaFoto)

Nach 6:18 Stunden laufe ich ins Stadion ein, dort noch eine halbe Runde, dann bin ich im Ziel. Sehr müde, mit sehr schweren Beinen – aber unglaublich happy. Ein fantastischer Marathon war das, und dann auch noch ein kleines Jubiläum für mich: Es war mein 20. Marathon, das hätte ich doch kaum besser treffen können.

Besonders gefreut hat es mich, diesen tollen Marathon für „Run & Help“ zugunsten von Ärzte ohne Grenzen laufen zu dürfen. Eine tolle Sache, die Cornelia Hilka da auf die Beine gestellt hat. Falls noch jemand für meine gelaufenen Kilometer etwas spenden mag, dies geht unter: http://laufmaus.org/

Ernesto und Manuela, mit denen ich nach Davos gefahren bin, haben an diesem Samstag sogar den K78 geschafft, was für eine Leistung, ganz herzlichen Glückwunsch, Ihr Beiden!

Ich bin sehr versucht, nächstes Jahr wieder nach Davos zu fahren. Mal sehen, was ich dann laufe. Offenbar soll 2017 der Swissalpine und mit dem Swiss Ultratrail (mit Distanzen zwischen 21 und 201 Kilometern), die beide vom selben Veranstalter organisiert werden und in diesem Jahr an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden in Davos stattfinden, zusammengeführt werden.

Aber eigentlich war ich mit der Strecke des K42 so glücklich, dass es keinen Bedarf für eine Veränderung gibt. Ich komme jedenfalls wieder, so viel steht fest.

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