Wenn es zu kalt ist, laufe ich halt kürzer: Der Trail Marathon in Heidelberg

Mir ist kalt. Ich bin nass, dadurch fühlt sich alles noch viel kälter an. Vor einer Woche war ich in der der Sahara bei 45 Grad unterwegs, jetzt hat es ca. 7, 8 Grad und es schüttet. Ich will zurück in die Wüste, will wieder im Warmen laufen.

Geht aber nicht. Ich laufe gerade in Heidelberg, es geht ordentlich nach oben, das strengt gehörig an und trotzdem ist mir ist kalt. Innerlich bin ich ein kleines bisschen am Jammern. Dabei ist der GELITA Trail Marathon eigentlich ein super schöner Wettkampf mit toller Strecke und ein bisschen ärgere ich mich, dass ich ihn nun weniger genießen kann als das normalerweise der Fall wäre.

Dabei kann ich eigentlich froh und zufrieden sein, denn mein Körper ist in Ordnung, nichts tut weh und meine Beine sind noch nicht mal besonders schwer. Als ich die Einladung nach Heidelberg angenommen hatte, wusste ich nicht, dass ich eine Woche vorher beim Ultra Mirage El Djerid 100 Kilometer durch die Wüste laufen würde. Aber so war das dann nun mal und immerhin, im Unterschied zu sehr langen Etappenrennen hätte ich diesmal eine Woche Pause zwischen den beiden langen Läufen. Sagte ich mir.

Angemeldet hatte ich mich für die erstmals ausgetragene 50-km-Distanz mit 2000 Höhenmetern. Ich mag ja immer lieber die längeren Sachen. Am Tag vor dem Rennen war ich eingeladen, im Rahmen der Maultaschen-Party nach dem Streckenbriefing aus RUNNING HAPPY vorzulesen und ein bisschen von THE TRACK, meinen 520 Kilometern in neun Etappen durchs australische Outback im Mai dieses Jahres, zu berichten. Das hat Spaß gemacht, zumal einige liebe Bekannte da waren.

Am Renntag gehe ich mit meinem Gepäck zum Start. Es regnet. Wir laufen los. Es regnet mehr. Bald schüttet es und es hört auch nicht mehr auf. Mir ist kalt, aber das habe ich schon gesagt, oder? Zwar habe ich zum Glück eine Regenjacke an, aber nur Shorts, und so sind meine Beine sehr nass und sehr kalt und irgendwie auch sehr rot gefroren.

Früh beschließe ich für mich, nicht die vollen 50 Kilometer zu laufen, sondern „nur“ den Marathon. Erstens ist der mit seinen offiziell 1500, laut meiner und der Uhr einiger anderer Läufer 1700 Höhenmetern auch nicht ohne. Zweitens ist es ohnehin in Ordnung, auf seinen Körper zu hören, in sich hineinzuhören und dann einen Plan auch mal zu ändern. Ich bin kein Roboter.

Die Stimmung ist trotz des Sauwetters gut, die Strecke ist toll und schnell beschließe ich für mich, dass das hier und heute nicht das letzte Mal sein wird, dass ich hier starte. Über wurzelige Trails geht es rauf, kurz runter, dann wieder rauf, auch mal breitere Wege, aber nicht schlimm. Ich staune darüber, dass hier ein Marathon in und um eine Stadt herum derart technische und anspruchsvolle Trails bieten kann. Philosophenweg, Thingstätte, …

… hoch zum Weißen Stein, dann in einigem Auf und nun vor allem Ab runter zum Neckar, nah am Wasser am Neckar entlang, diesen überqueren und zack, wieder hoch.

Und dann mit über 35 Kilometern und einer Menge Höhenmetern in den Beinen, geht es die Himmelsleiter hoch zum Königsstuhl. Da hab ich ein bisschen geflucht, wer die Gegend und damit die Himmelsleiter kennt, weiß, wovon ich rede…

Ich quäle mich die Berge hoch, alles wie immer. Nur – normalerweise kann ich dann bergab ein bisschen was rausholen, Tempo machen. Hier und heute sind die Trails so matschig, wurzelig und, verstärkt dadurch, dass vor mir schon viele schnelle Läufer durch sind, wirklich rutschig, so dass ich es auch bergab langsam angehen lasse. Lieber nicht voll Karacho auf die Nase legen. Und so brauche ich für die letzten paar Kilometer, die fast nur noch bergab gehen, viel länger als geplant.

Nach etwas weniger als sechs Stunden erreiche ich endlich das Ziel.

Gerade rechtzeitig, um die Siegerehrung der Männer über die Ultradistanz mitzubekommen, wo mein grandioser ASICS FrontRunner-Teamkollege Nikki Johnstone gerade als Sieger ausgezeichnet wird. Der Verrückte ist die rutschigen Trails so entlanggeprescht, dass mir beim Gedanken daran schon schwindelig wird – nochmal an dieser Stelle Glückwunsch, Nikki!!! 3:45:47 Stunden lautet seine Siegerzeit über die 50 Kilometer mit über 2000 Höhenmetern, noch Fragen?

Der GELITA Trail Marathon bekommt bei mir definitiv noch eine zweite Chance. Ein sehr gut organisiertes Event mit toller Strecke: Obwohl es nahezu ein Stadtmarathon ist, wird wirklich Trail geboten. Mir war der Temperatursturz innerhalb von nur acht Tagen etwas zu  groß, aber da können die Heidelberger nun wirklich nichts dazu.

Ein wirklich tolles Ergebnis gab es für mich persönlich dann aber doch noch: Nach einer fiesen Entzündung einer Sehne am Schienbein am Ende von THE TRACK hatte ich eine ganze Weile pausieren müssen, dann langsam wieder angefangen, und dann hatte ich relativ plötzlich dieses Doppelpaket von 100 Kilometer und 42 Kilometer mit ordentlich Höhenmeter „vor der Brust“. Ich habe mir im Vorfeld Gedanken gemacht, ob meine Sehne mitspielt und zu meiner großen Freude hatte ich keinerlei Probleme in beiden Wettkämpfen.

GELITA, der Hauptsponsor des Trail Marathons hat mir im Vorfeld Tendoforte zur Verfügung gestellt, ein Produkt, dass gerade die Sehnen und Bänder von Sportlern mit großen Belastungen etwas unterstützen soll. Meine Sehne hat jedenfalls gehalten. Daher an dieser Stelle auch eine Kennzeichnung: Tendoforte wurde mir von GELITA zur Verfügung gestellt, außerdem war ich zum Trail Marathon eingeladen – danke dafür!

Fotos: Pix-Sportfotos / go4it-foto.de / privat

 

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