Was für eine Premiere: die Trailrunning-Szene feiert den Ultra Trail Lamer Winkel

Kürzlich habe ich beim Sortieren meines Schreibtisches einen Flyer gefunden, den ich, wenn ich mich richtig erinnere, während des Trans Alpine Runs letztes Jahr bekommen habe. Das beworbene Rennen klang interessant, also habe ich ihn eingesteckt. „Von Trailrunnern für Trailrunnern!“ hieß es da und: „Das atemberaubende Trailrunning-Event führt auf den spektakulärsten Pfaden des Bayerischen Waldes über 11 Tausender zu den schönsten Locations im Lamer Winkel“.

Um es vorweg zu nehmen – alles in dem Flyer stimmt: DAS war in der Tat ein Event von Trailrunnern für Trailrunner, da stand nicht nur „Trail“ drauf, das WAR Trail. Spektakuläre Trampelpfade über Wurzeln und Steine, knackige Anstiege mit kurzen Kletterpartien, tolle Downhills, das ganze nur relativ kurz unterbrochen durch Forststraßen.

Ich hatte seinerzeit meine Teilnahme aus Vernunftsgründen verworfen. Zwei Wochen nach meinem allerersten 100-Kilometerlauf auf Menorca – nein, das kann ich nicht machen. Dachte ich mir. Vernünftig halt. Dann fragten die Jungs von Trampelfadlauf, ob ich für sie starten will. Beim UTLW. Sie hätten einen Startplatz für mich. Nach gefühlten zweieinhalb Sekunden Bedenkzeit war es vorbei mit der Vernunft. Klar wollte ich starten! Angemeldet also.

Innerhalb kürzester Zeit war das Event ausgebucht, was war ich froh, dass ich meinen Startplatz hatte. Und der Hype um diese erstmalig ausgetragene Veranstaltung wurde größer und größer. Schnell war klar, dass es das absolute Familientreffen der Trailrunning-Szene werden würde.

Und so war es auch. Unzählige Bekannte schon bei der Pastaparty wiedergetroffen, ganz viele nette Leute kennengelernt. Und viele Facebook-Freunde endlich persönlich getroffen. Schön war es schon, bevor der Lauf überhaupt begonnen hat. Und der Eindruck, bei einem unglaublich sympathischen Event dabei sein zu dürfen, verstärkte sich beim Race Briefing. Nicht nur haben die Organisatoren super in das Rennen eingeführt. Ein sonst eher lästiger Teil derartiger Veranstaltung war an Unterhaltungswert kaum mehr zu überbieten: Die Reden der Bürgermeister der drei beteiligten Gemeinden Arrach, Lam und Lohberg. Diese Region will diese Veranstaltung, das war das gesamte Wochenende über zu spüren.

Der Lauf selbst: Anstrengend war es, meine Beine waren offenbar in der Tat noch schwer vom Camí de Cavalls zwei Wochen zuvor. Die Anstiege fielen mir von Anfang an schwer, und trotzdem war es ein super Rennen. Wie schon gesagt, in der großen Mehrzahl waren die zu laufenden Wege einfach traumhaft tolle Trails.

Leider, leider hat das Wetter so gar nicht mitgespielt. Bis zur VP 1 am Eck war die Welt noch in Ordnung, dann zog sich der Himmel immer mehr zu. Es wurde kälter und fing an – zu hageln. Ja, genau, es war Hagel. Hektisch zogen wir alle unsere Regenjacken an, der Hagel wurde bald von strömendem Regen abgelöst, windig und nebelig war es dazu auch.

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Es war kalt und die den zuvor gesehenen Bildern zufolge traumhaft schöne Landschaft konnten wir auch nicht sehen. Und so waren die15 Kilometer bis zur zweiten VP phasenweise wirklich hart. Wie glatt Wurzeln und Steine werden, wenn sie klitschnass sind, weiß jeder… Und trotzdem hatte es auch etwas, durch dieses ungemütliche Wetter zu laufen. Bei schönem Wetter kann ja jeder…

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(Fotos: Martin Barwitzki)

Landschaft war also nicht so richtig viel zu sehen, dafür aber die tollen Trails. Und die Stimmung war super: Immer wieder bin ich mit netten Läuferinnen und Läufern ein Stück des Weges zusammen unterwegs gewesen, auch die Helfer an den Verpflegungsstellen, die ja nun die ganze Zeit in dem fiesen Wetter stehen mussten, waren unglaublich gut gelaunt und nett. Zwischendurch liefen wir direkt an der tschechischen Grenze, Grenzpfosten und Hinweisschilder säumten unseren Weg.

Es war schön, auch wenn es hart war. So soll es ja auch sein bei einem Rennen mit 53 Kilometern und 2700 Höhenmetern. Nach der letzten VP ging es fast nur noch bergab, unter anderem über den „Holy Trail“, eine wunderbare und zugleich anspruchsvolle Downhill-Strecke, die garniert war mit diversen Schildern, die mich immerhin in meinem recht erschöpften Zustand noch (oder gerade deshalb) zum Lachen gebracht haben („Don´t urinate on the Holy Trail“). Der Holy Trail spuckte mich etwas oberhalb des Zielortes Lam aus, noch etwas Wiese hinunter und schon war ich da.

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Zieleinlauf auf dem Roten Teppich, statt Medaille ein Fläschchen „Finisher-TRAIL Wasser“ um den Hals bekommen, viele liebe Leute im Ziel – war das schön!

Und so viele Bekannte waren hier erfolgreich, die ASICS Frontrunner konnten wirklich punkten: So gewannen Kathi Schichtl und Benjamin Sperl jeweils über die kurze Distanz, über die 53 Kilometer erlief sich Tina Fischl bei ihrem ersten Ultralauf direkt den Titel der Königin vom Bayerwald, Kerstin Erdmann und Maria Koller komplettierten das Podium. Und Mitorganisator Markus Mingo sicherte sich den dritten Platz den Herren. Vor ihm kamen Matthias Bauer und Lukas Sörgel (beide Team Salomon) Und sie liefen alle Wahnsinnszeiten bei diesen Bedingungen, ganz herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle nochmal!

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Meine ASICS-Frontrunner-Kollegen Maria Koller, Markus Mingo und Wolfgang Hochholzer haben hier ein wirklich tolles Event ins Leben gerufen. Besser kann man es kaum machen! Im nächsten Jahr wird es möglicherweise neben den 53 Kilometern und der Kurzdistanz mit 13 Kilometer und 700 Höhenmetern noch eine mittlere Strecke geben. Das wäre sicherlich für viele Läuferinnen und Läufer attraktiv. So oder so – aufpassen, schnell anmelden und einen der begehrten Startplätze für den UTLW 2016 ergattern – so muss die Devise heißen!

Ich komme in jedem Fall wieder. Als wir am nächsten Tag noch zum Fotoshooting auf dem Großen Arber unterwegs waren (hochgefahren aber ganz faul mit der Bergbahn), konnte ich sehen, wie wunderbar die Landschaft ist. Ich kann kaum glauben, dass ich überall hier am Vortrag gelaufen bin. DAS muss ich mir im nächsten Jahr unbedingt noch einmal auf einer netten 53-Kilometer-Runde anschauen!

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(Fotos: Benjamin Sperl)

 

2 Gedanken zu „Was für eine Premiere: die Trailrunning-Szene feiert den Ultra Trail Lamer Winkel“

  1. So habe ich es auch erlebt. Geniale Strecke und die Forstwege, naja, lässt sich wohl schlecht ändern. Leider.
    Hoffe jedoch das es bei 500 Startern bleibt. Sonst wird es eng und Stauphasen kommen. Das würde nervig sein.
    Bis demnächst mal.
    LG
    Robert

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