Stell dir vor, du machst morgens, noch ganz schläfrig, die Augen auf und siehst, wie die Sonne zwischen den Bäumen und Felsen rotgold aufgeht. Du liegst draußen in deinem Schlafsack und bist einfach nur glücklich und voller tiefer Zufriedenheit.

So war das neulich im Elbsandsteingebirge, genauso. Dreieinhalb Tage und vier Nächte waren wir nur draußen, hatten alles, was wir brauchen, in unserem Rucksack dabei, waren auf nichts und niemanden angewiesen. Freiheit pur.

Es war meine Premiere im Elbsandsteingebirge und ich bin schwer beeindruckt von der unglaublichen Landschaft dort. Weite Waldgebiete voller eindrucksvoller bizarrer Fels- und Sandsteinformationen bieten ein einmaliges Wandererlebnis. Immer wieder beeindrucken mich die Aussichten aufs Neue, die durch unseren schweren Rucksack durchaus erkämpft bzw. hart erklettert sind. Aber jeder einzelne Schritt, den wir hier machen, lohnt sich.

Wir sind zu dritt unterwegs, Kerstin Kupka, mit der ich schon in Australien durchs Outback gelaufen bin und Yvonne (Iwi) Lehnert, die unser Guide ist. Wir bewegen uns in diesen vier Tagen in einem relativ kleinen Radius, erlaufen aber trotzdem täglich um die 20 Kilometer mit einigen Höhenmetern.

Abwechslungsreiche Landschaft

Die Landschaft verändert sich dabei ständig, auch die Wegbeschaffenheit variiert. Mal spazieren wir ganz gemütlich über breite Waldwege, mal durch Felsschluchten, durch die wir mit unseren dicken Rucksäcken kaum hindurchpassen und mal steile Treppen hinauf oder herunter. Manchmal stellen wir unsere Rucksäcke kurz irgendwo ab, um das letzte Stück zu einem besonderen Platz unbeschwert kraxeln zu können.

Rotkelchenstiege, Schrammsteinaussicht, Frühstücksplatz, Großer Winterberg, Kipphornaussicht, Hohe Liebe, Idagrotte, Hinteres Raubschloss, Kleiner Zschirnstein sind einige unserer Stationen – und viele mehr, deren Namen ich jetzt nicht mehr parat habe.

Wir sind bewusst unterwegs, wollen die Natur erleben, sie aber auch schützen. Selbstverständlich lassen wir nichts draußen zurück. Wir haben Müllbeutel dabei, in denen nicht nur unser eigener Abfall landet, sondern leider müssen wir unterwegs einiges aufsammeln, das andere zurückgelassen haben. Es ist ärgerlich, wie manche da draußen mit der Natur umgehen. Iwi bittet an einer Stelle einen älteren Herren, doch mit seinen Wanderstöcken vorsichtig auf dem Sandstein zu sein, da dieser fragil und empfindlich ist – er lacht uns aus, kratzt einmal extra in den Sandstein. Toller Typ…

Solche Begegnungen sind zum Glück die Ausnahme. Wir kommen wunderbar zur Ruhe in diesen Draußen-Tagen. Iwi kennt wunderbare Boofen, in denen wir draußen, aber geschützt, übernachten. Dramatische Sonnenuntergänge und stimmungsvolle Sonnenaufgänge sind inklusive. Nachts in den warmen Schlafsack gekuschelt. Mehr braucht es nicht zum glücklich sein. Jeden Morgen machen wir eine kleine Yogaeinheit, um die Beine, vor allem den vom Rucksack leicht verspannten Nacken und Rücken etwas zu lockern. Selten hatte ich beim Yoga derart phantastische Aussichten wie auf diesen Felsen im Elbsandsteingebirge.

Mit Caspar David Friedrich im Elbsandsteingebirge

Am letzten Tag überqueren wir mit der Fähre die Elbe und sind nun außerhalb des Nationalparks unterwegs.  Wieder sitzen wir abends berührt beisammen und bestaunen den Sonnenuntergang. Unser einfaches Abendessen wird durch Kräuter verfeinert, die Iwi und Kerstin unterwegs gesammelt haben (ich kenne mich da nicht so mit aus, habe aber gerne mitgegessen).

Der Rückweg nach Schmilka am letzten Morgen führt uns teilweise über den Caspar-David-Friedrich-Weg. Wir laufen gewissermaßen in ein Gemälde des Malers der Romantik, genauso fühlt sich das an. Es ist wunderschön, und dies wird noch bestärkt durch das leuchtende Gelb der Rapsfelder.

Es waren wunderbare Tage voller Leichtigkeit und Glücksgefühle, mit guten Gesprächen und intensiven Momenten. Einfach draußen sein und die Natur spüren, das ist eine unglaubliche Erholung für den Geist.

Yvonne Lehnert ist ein toller Guide für solche Touren, schaut doch mal auf ihrer Website Home – Roaming for roots vorbei.

Ich bin nach dieser tollen Outdoor-Auszeit gespannt, wohin es mich das nächste Mal verschlägt, wenn ich zumindest ein kleines bisschen der Zivilisation und dem Alltagsstress entfliehe. Wo und was auch immer es wird: Ich freue mich darauf!

Und noch ein paar Lesetipps:

Nette Touren im Elbsandsteingebirge bietet der Rother-Wanderführer.*

Oder den Wanderführer für Langschläfer*

Und hier noch etwas zu Caspar David Friedrich und seinen Landschaften.*