Steil, anstrengend, spektakulär und einfach unfassbar schön – das war der Gletscher Trailrun 2021 im Ötztal. Eine unbedingte Empfehlung.

Kurz vor dem Event hatte ich erst die Ausschreibung gesehen und war sofort angefixt, geht es doch bei diesem Event von Obergurgl aus hoch zum Ramolhaus auf 3006 Metern Höhe – dorthin wollte ich vor Jahren eine Tour machen, die dann Gewitterwarnungen zum Oper gefallen ist. Seitdem wollte ich endlich mal da hoch. Das auch noch in einem Trailrennen? Umso besser!

Aus Vernunftsgründen, da ich nur sechs Tage vorher den Gletschermarathon von Mandarfen nach Imst gelaufen bin und noch tagelang schwere Beine habe, entschließe ich mich, die 22 Kilometer mit immerhin 1900 Höhenmetern zu laufen. Es gibt auch noch einen Ultralauf über 62 Kilometer, die Marathondistanz und einen 10-Kilometerlauf. Die Ultraläufer starten mitten in der Nacht und erleben auf 3000 Metern Höhe einen gigantischen Sonnenaufgang. Nächstes Mal!

Bei der Anreise im schönen Hotel Alpenaussicht direkt am Ortseingang von Obergurgl werde ich auf dem Parkplatz zu meiner Verwunderung mit Namen begrüßt – ich bin der erste Gast nach Wiedereröffnung und in dieser Nacht auch der einzige. Später darf ich den schönen Wellnessbereich ganz allein für mich genießen, Blick auf das Ramolhaus inklusive.

Um 8.30 Uhr am Samstagmorgen gibt es für uns das Race Briefing, die Pflichtausrüstung wird kontrolliert und um kurz vor und kurz nach neun Uhr werden die etwa 130 Starterinnen und Starter in zwei Startblöcken bei strahlendem Sonnenschein auf die Strecke geschickt. Eine kleine Weile lang wird gelaufen, dann geht es sehr bald hoch. Und immer höher. Beim Anstieg zum Ramolhaus müssen wir 1100 Höhenmeter am Stück überwinden. Bald bin ich recht weit hinten, aber das macht nichts. Mein Ziel für heute ist es, einfach nur die Landschaft zu genießen und mir keinerlei Stress zu machen. Das habe ich meinen Beinen versprochen nach der Vorwoche im Pitztal.

Steiler Anstieg zum Ramolhaus

Also steige ich Schritt für Schritt hoch, es ist trotz des mäßigen Tempos irre anstrengend, denn es ist oft sehr steil, außerdem war ich in diesem Jahr noch gar nicht so hoch und in so dünner Luft unterwegs. Ich schwitze. Die Sonne brennt. Was für ein Luxusproblem! Immer wieder bleibe ich stehen, mache Fotos, schaue mich um. Es wird mit jedem Höhenmeter schöner, die hochalpine Landschaft ist einfach unfassbar schön, die Gletscher kommen immer näher bzw. ich nähere mich ihnen.

Zwischendurch queren wir kleinere Bäche, auf flacheren Stücken laufe ich kurz, aber dann wird es direkt wieder steil. Ich sehe das Ramolhaus, es ist hoch oben, wirklich hoch oben. Ich weiß, dass ich nur noch etwa einen Kilometer bis dorthin zurücklegen muss, aber die Hütte ist so unfassbar steil über mir.

Auf den letzten Metern kommen mir Läuferinnen und Läufer entgegen, die schon wieder am Abstieg sind, um den steilen Abstieg in Richtung Piccard-Brücke in Angriff zu nehmen. Für einen kurzen Moment finde ich das demoralisierend, dann ist es mir wieder egal. Dann bin ich oben, am Ramolhaus, dem höchsten Punkt des Rennens. Es gibt eine Suppe, das ist wunderbar, gibt Kraft. Zu lange halte ich mich trotz der wahnsinnigen Aussicht auf die umliegenden Gletscher nicht auf, ich will weiter. Schnell noch ein Foto mit der lieben Sabine, die ich hier oben treffe.

Nun folgt der spektakuläre Abstieg zur ebenso spektakulären Piccard-Brücke. Den Gurgler Ferner immer im Blick und ohnehin in einer atemberaubenden Landschaft muss ich mich immer wieder ermahnen, nach unten zu schauen und mich auf den sehr technischen Abstieg zu konzentrieren. Über steile Felsen geht es, immer wieder abgesichert durch Seile und Trittbügel, nach unten. Auch Schneefelder queren wir.

Bald sehe ich die Hängebrücke, die seit 2017 auf einer Länge von142 Metern die Schlucht des Gurgler Ferners in 100 Metern Höhe überspannt.

Ich betrete die recht enge Brücke und laufe vorsichtig. Die Brücke schwingt, schwankend laufe ich, traue mich nicht recht, nach unten zu blicken, starre also nach vorne und hole auch meine Kamera erst aus dem Rucksack, als ich die andere Seite erreicht habe. Sicher ist sicher…

Auf der anderen Seite geht es wieder hinauf, die Felsen leuchten in wunderbaren rotbraunen Tönen, wieder komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Und aus dem Schnaufen.

Technische Downhills beim Gletscher Trailrun

Der folgende Abstieg ist wieder recht technisch, häufig versichert, so richtig Tempo kann ich, die ich doch so gerne Downhills laufe, auch hier nicht machen. Aber immerhin, einige Läuferinnen und Läufer überhole ich hier doch. Nachdem wir die Verpflegungspunkte an der Langtalereckhütte und der Schönwieshütte passiert haben, folgt der letzte längere Anstieg in das Rotmoostal auf die Hohe Mut.

Bei der letzten Labestation an der Hohe Mut Alm hätte es ganz wunderbaren Kuchen gegeben, aber ich traue mich nicht recht, zuzugreifen und damit auf den letzten Metern Magenprobleme zu riskieren. Außerdem will ich jetzt weiter, ich bin schon fast fünf Stunden unterwegs.

Der steile Downhill, der uns auf den letzten gut drei Kilometern wieder von über 2600 Metern Höhe nach Obergurgl auf knapp 2000 Metern Höhe hinunterführt, tut richtig weh. Die Skipiste ist steil. Ich rede manchmal mit mir selbst während solcher Läufe und manchmal rede ich auch mit einzelnen Körperteilen. Auf den ersten Metern dieses Downhills rede ich mit einem einzelnen, sehr kleinen Körperteil und entschuldige mich in aller Form bei meinem großen Zeh und hier speziell dem blauen Zehennagel. Er antwortet nicht.

Nach fünf Stunden und zehn Minuten laufe ich sehr happy ins Ziel. Eine wunderschöne Finisher-Medaille aus Holz gibt es zur Belohnung.

Das. War. Unfassbar. Schön. Ich komme wieder, definitiv, und dann nehme ich eine der längeren Strecken in Angriff. Teile der Strecken, die dort auch gelaufen wurden, schaue ich mir am nächsten Tag noch sehr in Ruhe wandernd an. Ich nutze die Summer Card, die ich im Hotel erhalten habe, und fahre sehr gemütlich mit der Hohe Mut Bahn nach oben, um über den Sattel der Hohen Mut in Richtung Rotmoosferner zu wandern. Immer wieder bleibe ich stehen und staune über die Kulisse. Diverse Schneefelder quere ich, bis ich die Stempelstelle am Rotmoosferner erreiche, dann steige ich ab ins Rotmoostal.

Überall sehe ich Markierungen des Rennens, die längeren Distanzen führten also über all diese fantastischen Wege. Nächstes Mal! In der Schönwieshütte kehre ich ein und belohne mich mit einem Kaiserschmarrn. Ich hatte offenbar vergessen, dass ich nie, aber auch niemals, eine ganze Portion Kaiserschmarrn auf einer Hütte allein schaffe. Memo für das nächste Mal, nützt wahrscheinlich wieder nichts.

Nach dem letzten Teil meiner Wanderung durch den Obergurgler Zirbenwald, vorbei am Rotmooswasserfall, komme ich am Nachmittag wieder am Hotel an, steige schweren Herzens in mein Auto und fahre nach Hause. Das war sehr viel Naturerlebnis in nur zwei Tagen, beglückt denke ich an das Wochenende zurück – und freue mich auf den nächsten Besuch in der Ötztaler Bergwelt.

Einen tollen ausführlichen Bericht über das Event findet Ihr auch bei Trailrunning.de

Fotos: privat, Klaus Sobirey, Sabine Causey

Ich danke dem Tourismusverband Ötztal für den Startplatz für den Gletscher Trailrun.

Mit diesem Wanderführer *hatte ich mich vorher etwas eingelesen, es gibt vor Ort aber auch sehr viel Informationsmaterial vom Tourismusverband.