Running Happy

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Reisen – eine Liebeserklärung

Ich bin eine laufende Reisende oder eine reisende Läuferin. Normalerweise. Aber was ist gerade schon normal? Ich vermisse meine Läufe an fremden und spannenden Orten. Sehr. Eine Liebeserklärung und die Hoffnung, dass wir bald wieder reisen können.

Reisen war schon immer meine große Leidenschaft. Corona macht dies im Moment nahezu unmöglich, aber schon vor dieser großen Krise hat der Klimawandel mich und uns alle gezwungen, mehr über unsere Reisen nachzudenken. Ist es in Ordnung, wenn ich weiterhin in weit entfernte Länder reise, um diese laufend zu erkunden?

Manche Verhaltensweisen kann ich leicht ändern, ohne dass es meine Reiselust einschränkt, so nehme ich innerhalb Deutschlands oder in die Schweiz oder nach Österreich nie den Flieger, das ist auf derart kurze Distanzen wirklich nicht nötig. Manchmal lassen sich die Läufe auch mit Dienstreisen verbinden, die ich ohnehin hätte machen müssen.

Seit über einem Jahr nun ist das ohnehin alles anders. Meine letzte etwas weitere Dienstreise war in der ersten Märzwoche 2020. Seitdem war ich ansonsten einmal mit dem Zug in Augsburg, alle anderen Konferenzen und Meetings fanden online statt. Ich hoffe, dass einiges davon nach Corona beibehalten wird, denn nicht für jede kurze Besprechung müssen wir alle ständig um die Welt jetten. Aber gerade bei mehrtägigen Konferenzen oder Workshops fehlt mir hier die persönliche Begegnung sehr. Es macht einfach einen Unterschied, ob man sich nur am Bildschirm sieht, vielleicht immerhin noch in Kleingruppen aufgeteilt, oder ob man am Abend nach der Veranstaltung noch gemeinsam etwas trinken geht und sich besser und anders kennenlernt. Dies verändert die Art der Zusammenarbeit sehr, ebenso die gemeinsamen Morning Runs, die sich mit manchen Kolleginnen und Kollegen bei derartigen Treffen schon längst etabliert haben.

Reisen bildet und macht neugierig

So hoffe ich sehr, dass wir bald wieder reisen können. Und, ja, ich möchte unbedingt wieder aufbrechen zu meinen Laufabenteuern in fernen Ländern. Ich vermisse das. Sehr. Ich bin eine Reisende, ich möchte so viel von der Welt kennenlernen wie möglich. Und dies gerne laufend. Und da gibt es noch etwas: Die wahnhafte Angst vor dem als fremd Empfundenen nimmt immer mehr zu. Reisen bildet. Reisen macht neugierig auf fremde Kulturen, auf andere Menschen.

Als ich mein erstes Etappenrennen in der Wüste gemacht habe, stammten die knapp 100 Starter aus 29 Ländern. Wir haben zusammen im Camp gelebt, zusammen ein großes Abenteuer erlebt, haben zusammen gelacht und gelitten, und all dies, obwohl wir manchmal noch nicht einmal eine gemeinsame Sprache hatten. Eine der Läuferinnen hat damals gesagt, im Grunde müsse jeder Politiker, bevor er sein Amt antritt, bei einem solchen Lauf mitmachen. Der Gedanke gefällt mir gut. Diese besondere Zusammenleben während dieser Rennen verzaubert mich jedes Mal von Neuem. Und dann sind die Begegnungen unterwegs immer etwas Besonderes.

Menschengruppe vor Jurte, Mongolei

Begegnungen unterwegs in der Mongolei

 

Mongolei, Landschaft, Zelte, Sonnenuntergang

Zeltlager im Sonnenuntergang, Mongolei

Ich bin sehr davon überzeugt, dass diese gemeinsamen Erlebnisse irgendwo auf der Welt wirklich etwas in uns verändern. Unvergessen sind für mich zum Beispiel manche Momente in Mosambik, wo die Frauen in den Dörfern alle dermaßen über mich gelacht haben – die schwitzende, stinkende, dreckige weiße Frau, die mit einem großen Rucksack durch die ostafrikanische Mittagshitze rennt… Wir haben dann immer zusammen gelacht und das war schön. Lachen ist eine gemeinsame Sprache.

Unterwegs mit Kindern in Mosambik

Die afrikanischen Kinder, die mit mir gelaufen sind, die Tunesier, die nachts beim Lauf in der Sahara auf mich gewartet haben, weil ich mich kurz hinsetzen musste, um Sand aus den Schuhen zu kippen, der alte Mann mit dem Esel, der mir in Marokko den Weg gezeigt hat, als ich mich in seinem kleinen Dorf verlaufen habe und, und, und. Und, nicht zu vergessen: die wunderbare Natur, die zu erleben uns glücklich und zufrieden macht.

Sonnenuntergang in der Sahara

Der Trail in Imst führt bergauf über Stock und Stein.

Traumtrails bei Imst

 

Wir sollten angesichts des Klimawandels und im Moment ohnehin wegen Corona vieles überdenken, uns stets fragen, ob eine Flugreise gerade wirklich nötig ist. Das sehe ich auch so. Aber Reisen ist nichts Schlechtes per se. Reisen bildet, es kann uns verständnisvoller, neugieriger, hilfsbereiter, weltoffener und vieles mehr machen. Ich habe in den letzten Jahren auf meinen Läufen irgendwo auf dieser Welt so wunderbare Begegnungen gehabt und wundervolle Erfahrungen machen dürfen – das alles wünsche ich vielen anderen auch. Vielleicht kann Laufen und Reisen die Welt so sogar ein kleines bisschen besser machen.

 

Und hier noch ein paar Lesetipps für Reisen mit mit mir und mit Lauffreundinnen und Lauffreunden, mit denen ich in den letzten Jahren unterwegs war:

Andrea Löw: Running Happy *

Rafel Fuchsgruber/Tanja Schönenborn: Wer die Wahl hat, liebt die Qual*

Rafel Fuchsgruber: Running Wild*

Antje Wensel: Du kannst, wenn du willst*

Das bin ich

Dr. Andrea Löw, Historikerin und leidenschaftliche Läuferin. Hier nehme ich euch auf meine Laufabenteuer und Reisen mit.

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