Die Philosophie des Laufens

Ich denke, also bin ich, also laufe ich – oder so ähnlich…. Der Verbindung von Philosophie und Laufen geht ein schöner Sammelband nach, der nun in deutscher Übersetzung vorliegt.

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Michael W. Austin/Peter Reichenbach (Hg.)
Die Philosophie des Laufens
mairisch Verlag 2015

(Originalausgabe 2007 erschienen als: „Running and Philosophy: A Marathon for the Mind“)

Die Texte sind, das ist keine Überraschung bei einem Sammelband, sehr unterschiedlich. In einigen Beiträgen werden Philosophen und ihre Theorien , seien es die von Aristoteles, Seneca oder Nietzsche (Wille zur Macht, Disziplin, Marathon – ganz verkürzt…), mit dem Laufen in Verbindung gebracht. Das ist mitunter keine leichte Kost, aber sehr anregend. Und über vieles lohnt es sich nachzudenken, und dafür haben wir bei unseren langen Läufen schließlich genug Zeit. Und wenn etwa Gregory Bassham, Professor für Philosophie am King´s College in Pennsylvania, uns die sieben Voraussetzungen für Erfolg beim Laufen erklärt, könnte es sich doch für uns durchaus lohnen, mal genauer hinschauen. Jedem der Kapitel ist hier ein kurzes Zitat eines Philosophen vorangestellt, so etwa der Aussprich von Seneca: „Wir sollten uns anstrengen, unseren gesamten Mut zusammennehmen, jede Ablenkung ignorieren und kämpfen, um das eine Ziel zu erreichen.“ (S. 61) Römische antike Philosophie hat nichts mit Laufen zu tun? Von wegen!

In anderen Texten machen sich schreibende Läufer, etwa Journalisten, allgemeiner über das Laufen Gedanken. So beschreibt etwa Robert Semmler, Sportredakteur der dpa, in seinem Text mit dem schönen Titel „42,195 Kilometer in eine andere Welt“ seinen Zieleinlauf in Athen: „Bei jedem mühsamen, schmerzhaften Schritt auf den letzten Metern werden die Emotionen gewaltiger die Zufriedenheit, es doch noch geschafft zu haben, immer größer. Selbst erarbeitetes Glück bewusst zu genießen sei das höchste Glück, heißt es. Ich kenne dieses Gefühl beim Laufen nur vom Marathon, ähnlich überwältigt war ich kurz vor dem Ziel in Boston und in New York – dort allerdings schon direkt nach dem Start, hoch oben auf der Verrazano-Narrows Bridge beim Blick auf diese gewaltige Stadt.“ (S. 42) Diese Emotionen können sicherlich viele Marathonläufer nachempfinden. Und das Glücksgefühl am Start des New York Marathons hat mich kürzlich selbst überwältigt.

Das Buch schlägt einen spannenden Bogen von antiken Philosophen zum Training mit Lauf-Apps, während der eine Autor die Glücksgefühle beim Marathon feiert, sieht der andere im Marathon „die Königsdisziplin der modernen Selbstoptimierung“ – wie eingangs gesagt, die Beiträge sind sehr unterschiedlich, es lohnt sich auf jeden Fall, hier hineinzulesen. Wie der Herausgeber Michael W. Austin schreibt: „Laufen und Philosophie haben, vielleicht für einige überraschend, eine Menge gemeinsam. Beide sind häufig fordernd und häufig bereichernd. Beide erfordern Ausdauer und Geduld. Läufer und Philosophen ernten oft verständnislose Blicke von Nicht-Läufern und Nicht-Philosophen. Warum steigt jemand an einem kalten, dunklen Wintermorgen aus dem Bett, nur um acht Kilometer zu laufen? Und was um alles in der Welt macht man mit einem Abschluss in Philosophie?“ (S. 13) Die ein der beiden Welten kennen wir, tauchen wir doch ein kleines bisschen in die andere ein. Dazu ist dieses Buch eine schöne Einladung.

 

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