Emotionen beim München Marathon

Allein schon für die Herz-Medaille und den Zieleinlauf durch das Marathontor ins Olympiastadion lohnt sich die Teilnahme am München Marathon. Die glücklichen Gesichter auf der Wiese des Stadions trotz ungemütlichen Wetters sprachen Bände.

Unter dem offiziellen Motto „Herzklopfen, Gänsehaut und Siegerlächeln“  gingen gut 21.000 Läuferinnen und Läufer aus 118 Nationen auf eine der Strecken. Gut ein Viertel von ihnen liefen den Marathon, die übrigen waren auf der Halbmarathon-Distanz, über 10 Kilometer, als Marathon-Staffel oder beim erstmals stattfindenden Inklusionslauf für Menschen mit Behinderung über 7,5 Kilometer am Start. Gut 800 Läufer waren bereits am Vortag beim Trachtenlauf mit dabei.

Für mich selbst war der Marathon eine gute Gelegenheit, einen kurzweiligen langen Trainingslauf für das sehr bald anstehende Etappenrennen in Mosambik zu absolvieren. Also ging ich mit sechs Kilogramm schwerem Rucksack an den Start. Das sorgt auf der Strecke eines Stadtmarathons für verwunderte Blicke und viele Kommentare („Die hat bestimmt ein Zelt dabei“). Mein Lieblingsspruch kam von einem Helfer an einer Verpflegungsstation: „Die läuft bestimmt um die Welt“ – das ist ein interessanter Gedanke, den ich verfolgen werde…

Trotz des schweren Rucksacks auf dem Rücken hatte ich über weite Strecken sehr viel Spaß.  Swati und Jürgen machen traditionell beim München Marathon ihren Geburtstagslauf, so dass wir schon vor dem Start ein Treffen netter (und verrückter) Läufer hatten und ich den größten Teil des Marathons in netter Begleitung unterwegs war. Das war fein.

Ungefähr ab Kilometer 25 war ich allein unterwegs. Phasenweise verging mir die Lust, mit dem Rucksack weiterzulaufen. Aber das ist normal und gehört ja irgendwie auch dazu. Aber – und jetzt kommt das große „Aber“: die meiste Zeit war es schön und ich war glücklich. Trotz nasskaltem Wetter waren viele Zuschauer zum Anfeuern an der Strecke. Der Teil der Strecke durch die Innenstadt und am Königsplatz, also genau der Teil, in dem ein Marathon so ab Kilometer 30 hart wird, ist der schönste. Außerdem sorgten zahlreiche Livebands für Stimmung.

Und dann war es auch einfach so schön, wie viele Lauffreunde und –freundinnen auf und an der Strecke waren, an wie vielen Stellen ich von lieben Bekannten angefeuert wurde. Und da ich zu diesem Zeitpunkt allein gelaufen bin, hatte ich Zeit, mich in Gedanken darüber zu verlieren, wie wunderbar das doch ist: So viele wunderbare Menschen habe ich den letzten Jahren durch das Laufen kennengelernt. Und plötzlich wurde ich, mitten im München Marathon, plötzlich und unerwartet sehr emotional und einfach nur dankbar.

Und dieses Gefühl hielt bis zum Ziel an, so dass ich beim Durchlaufen des Marathontors doch wieder Tränen in den Augen hatte, obwohl ich genau dieses Tor kürzlich beim 8-Stunden-Lauf insgesamt 52 Mal durchlaufen hatte und sicher war, das werde nun wirklich keine Emotionen mehr bei mir auslösen.

Nach 4:29:20 Stunden war ich im Ziel. Die Zeit war in Ordnung, schließlich war der Marathon als langer und langsamer Trainingslauf geplant und ich hatte 6 Kilo auf dem Rücken. Im Zielbereich habe ich noch ausführlich die Zielverpflegung genossen, auch dies mit vielen Freunden. Praktisch übrigens, wenn mal warme Kleidung im Rucksack dabei hat und direkt nach dem Zieleinlauf anziehen kann  🙂 Trotzdem wird es jetzt eher nicht zur Gewohnheit, dass ich Stadtmarathons mit Wüstenrucksack laufe 😉

Zwei Stunden vor mir war der Sieger übrigens im Ziel: Mario Wernsdörfer von der LG Bamberg gewann in 2:27:50 Stunden, bei den Frauen gewann die Münchnerin Bianca Meyer in 2:49:35 Stunden. Ganz herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Und all den anderen Läuferinnen und Läufer, egal auf welcher Distanz, egal in welcher Zeit, natürlich auch: Ihr habt München gerockt!!! Und – wir hatten Spaß, oder?

 

(Bilder: Jürgen Englerth, Geo Iacobescu, Angelika Fanai-Nimmesgern)

 

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