Pure Dankbarkeit: Mein Laufjahr 2017

Kurz vor Silvester, es ist die Zeit, kurz innezuhalten. Voller Dankbarkeit blicke ich zurück auf ein Jahr voller Laufabenteuer und bewegender Momente.

Zwei Etappenrennen in Afrika durfte ich erleben – vor genau einem Jahr hatte ich mit dem Training für das erste von beiden begonnen und wusste gar nicht so genau, ob ich das überhaupt schaffen werde.

Den Auftakt in ein wunderbares Laufjahr bildete ein spontaner und verrückter Kurztrip zum Marrakesch Marathon. Kurz nach dem Zieleinlauf ging es ungeduscht im Taxi zum Flughafen und nur wenige Stunden, nachdem ich in Shorts und T-Shirt an Kamelen vorbeigelaufen war, saß ich im kalten München im Airport-Bus. Die ersten 42,195 Kilometer des Jahres 2017 waren das.

In der Vorbereitung auf das Sahara Race in Namibia bin ich im Frühjahr sehr viel und sehr lang gelaufen, habe dabei das Gewicht meines Wüstenlauf-Rucksacks immer mehr erhöht. Drei 6-Stunden-Läufe waren dabei, darunter zwei an einem Wochenende, um auch die Belastung an mehreren aufeinander folgenden Tagen zu trainieren.

Eine Woche nach dem 6-Stunden-Lauf in Ottobrunn bin ich in Cuxhaven meine Marathon-Bestzeit gelaufen und habe den 3. Platz bei den Frauen belegt. Das war nicht geplant, Tapering geht anders – aber das hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig die langen und langsamen Läufe wirklich sind, wenn man schneller werden will. Denn lange und langsame Läufe waren das einzige, was ich in den Wochen zuvor gemacht hatte…

Dann endlich, Ende April/Anfang Mai: Das Sahara Race in Namibia. 250 Kilmeter in den endlosen Weiten der Namib. Wie unsicher war ich vorher, wie mein Körper das alles verkraften würde! Hitze, Sand, Wind, ein Rucksack, der beim Start 11 Kilogram wog. Es war hart, meine Füße waren kaputt wie noch nie – und zugleich bedeutet diese Zeit in der Wüste das intensivste und wunderbarste Laufabenteuer, das ich bisher erleben durfte. Einen derart emotionalen Zieleinlauf habe ich noch nie erlebt.  Voller Dankbarkeit bin ich dafür, dass ich diese Erfahrung mit den anderen Verrückten aus Rafael Fuchsgrubers Little Desert Runners Club teilen durfte.

Ich war so geflasht von dem Ganzen, dass ich eine ganze Weile gebraucht habe, wieder in den Alltag zurückzufinden. Außerdem war mir schnell klar, dass ich unbedingt bald wieder ein solches Abenteuer laufen möchte. Schon öfter hatte ich gesagt und geschrieben, dass ich mir die Welt erlaufen möchte. Dieser Gedanke bekam nun eine noch viel tiefere Bedeutung. Es hat nicht lange gedauert, bis ich mich zum Ultra Africa Race in Mosambik angemeldet habe. Ein großes neues Ziel für November stand damit fest.

Im Sommer war ich viel in meinen geliebten Bergen unterwegs, bin gelaufen und gewandert, ob im Pitztal, dem Kleinwalser oder dem Tannheimer Tal. Mal einfach so, oft war ich auch bei feinen Wettkämpfen am Start, so beim Gletschermarathon, dem Großglockner Berglauf, der Walser Trail Challenge und dem Pitz Alpine Glacier Trail.

Das Training für Mosambik verlief durch viele Dienstreisen nicht immer optimal, doch auch hier gab es einige feine Wettkämpfe in der Vorbereitung. Es fällt mir einfach leichter, wirklich lange Strecken in einem Wettkampf zu laufen. Mentales Härtetraining war der 8-Stunden-Lauf in München. Acht Stunden lang im Kreis auf einer 1,5 Kilometer-Runde bei einem leider nicht gut organisierten Rennen. Immerhin habe ich am Ende gewonnen und hatte 78 Kilometer zurück gelegt, gut für den Kopf.

Spaß gemacht hat es hingegegen, den München Marathon mit Wüstenlauf-Rucksack zu Trainingszwecken zu laufen. Bei einem Stadtmarathon mit guter Verpflegung wird man mit derartigem Gepäck auf dem Rücken doch eher schräg angeschaut. Mein Lieblingskommentar an einer Verpflegungsstation: „Die läuft wohl um die Welt.“ Guter Gedanke…

Und dann das Ultra Africa Race in Mosambik. 220 Kilometer in fünf Etappen. Wir sind am Indischen Ozean gelaufen, an Seen entlang, durch zahlreiche Dörfer, an Schulen vorbei, über Sandpisten. Ich war einfach nur glücklich, es war unglaublich intensiv und wunderschön. Natürlich war es anstrengend, sehr sogar. Aber es wäre ja nicht normal, wenn ein solches Ultrarennen einfach wäre. Immer noch bin ich mit meinen Gedanken manchmal in Mosambik, sehe die lachenden Kinder vor mir, spüre das Gefühl, auf sandigen Pisten zu laufen, ins Camp zu kommen und mit den anderen am Lagerfeuer das Wasser für das Abendessen zum Kochen zu bringen.

Es waren nicht nur atemberaubende Landschaften, die diese Rennen so besonders für mich gemacht haben. Es waren auch und in vielen Fällen besonders die Menschen, mit denen ich unterwegs war.

Und nun? Voller Dankbarkeit blicke ich zurück, zugleich freue ich mich auf ein spannendes Jahr 2018, in dem zwei große Highlights bereits feststehen: Im März geht es zum Ultra Asia Race nach Vietnam, Ende Juli mit dem Little Desert Runners Club zum Gobi March in die Mongolei. Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Art Lauf-Abenteuer für mich entdeckt habe. Es ist einfach genau mein Ding, mir auf eine derart intensive Art und Weise die Welt zu erlaufen.

Und zum Schluss möchte ich Euch danken, dass Ihr mich bei meinen Lauf-Abenteuern begleitet und mir so oft Mut zugesprochen habt! Lasst uns hoffen, dass wir gesund bleiben und unserer wunderbaren Leidenschaft noch lange nachgehen können, egal auf welcher Distanz. Denn am Ende ist es unsere Gesundheit, die zählt und ohne die vieles, das allermeiste nicht möglich wäre. In diesem Sinne: Passt auf euch auf und habt ein glückliches Jahr 2018!!!

 

2 Gedanken zu „Pure Dankbarkeit: Mein Laufjahr 2017“

  1. Wow, Andrea! Das war wirklich ein tolles Jahr! Danke, dass du uns Leser immer auf deine Abenteuer mitnimmst 😊 alles gute weiterhin. Bist ein tolles Vorbild! LG aus Österreich 🇦🇹

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