Ultraläufe in Bildern von Ian Corless

Vermutlich kennt jeder begeisterte Ultratrail-Läufer die Fotos von Ian Corless. Sie sind gigantisch schön. Bei den großen Events ist Corless dabei, die großen Stars setzt er in Szene. Nun hat er ein Buch mit den „härtesten Rennen der Welt“ und seinen Fotos von diesen Rennen publiziert.

Ian Corless:
Ultraläufe. Die härtesten Rennen der Welt.
Delius Klasing Verlag: Bielefeld 2016
240 Seiten, 133 Farbfotos, 41 S/W-Fotos

Im selben Jahr wie die englische Originalausgabe ist direkt eine deutsche Ausgabe erschienen. Großformatig, die Fotografien toll in Szene gesetzt. Das Vorwort stammt von Kilan Jornet, der schreibt: „Ians Fotos bringen die Leidenschaft dieser Sportart zum Ausdruck, und die Schönheit seiner Bilder lässt jeden Betrachter in die Wettkämpfe eintauchen.“

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Darüber, welche nun die härtesten oder schönsten oder mit welchem Superlativ auch immer versehenen Rennen sind, gehen sicherlich hier und da die Meinungen auseinander. Das ist normal, und jede(r) hätte sich seine(n) Lieblings-Wettkampf in einem solchen Buch gewünscht. Das weiß Ian Corless natürlich und formuliert den Anspruch in seinem Vorwort persönlicher: „Die Texte und Bilder zwischen diesen Buchdeckeln sind nicht allumfassend; es ist kein A-bis-Z-Kompendium über Trailläufe. Vielmehr ist es eine Reise durch Erfahrungen, die ich über vier Jahre bei den verschiedensten Rennen gesammelt und dokumentiert habe. Ich möchte einen Einblick in das geben, was ich für die wundervollsten Rennen halte, die die Welt zu bieten hat.“ (S. 8f.)

Mein erster 100-Kilometer-Trail und zugleich eines meiner bisher schönsten Rennen ist in dem Buch und Ian Corless war 2015, in „meinem“ Jahr, auch da: beim Camí de Cavalls auf Menorca. Ich habe damals Fotos von mir auf der Strecke von Ian Corless entdeckt. Bilder, die bei mir immer noch eine große Sehnsucht nach diesem Wettkampf hervorrufen. Aber das sei hier nur am Rande vermerkt (und mit einem Foto dokumentiert).

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Viele, viele andere harte, doch zugleich wunderschöne Grenzerfahrungen sind in dem Buch versammelt. Auf seinen Fotografien hält Ian Corless nicht nur die oft überwältigende Schönheit der jeweiligen Landschaft fest; er dokumentiert auch die Emotionen der Läufer, er hat einen Blick dafür, worum es bei diesen Läufen geht. Das ist großartig. Ian Corless dokumentiert auch die Erschöpfung, die Leiden der Läufer. Das ist Ultra. Meist sind es die großen Trailrunning-Stars, die hier zu sehen sind. Ich hätte mir ein paar mehr „normale“ Läufer und ihre großen Emotionen auf den Bildern gewünscht.

Die Strecken sind recht ausführlich beschrieben, angereichert mit Zitaten der Läuferinnen und Läufer –und auch diese beschönigen meist nichts, so meinte etwa Anton Krupicka 2012 nach seinem Start beim spanischen Ultra Pirineu: „Laufen bedeutet hier: die Hände auf den Knien, die Nase am Boden, eine absolute Quälerei. Du hoffst nur noch, überhaupt anzukommen.“ (S. 44)

Corless gibt interessante Informationen zu den Inseln/Regionen; daneben gibt es zu jedem Wettkampf eine Infobox mit Streckenlänge, Höhenmetern und Rekorden sowie dem Höhenprofil (allerdings sind hier nicht die möglichen verschiedenen Streckenlängen vermerkt oder der Zeitpunkt der Austragung oder die Veranstalterwebsite).

Das Buch macht Spaß, vor allem macht es trotz der dokumentierten Härten unglaubliche Lust, sich auf den Weg zu machen zu diesen Veranstaltungen. Die Bilder von Ian Corless zeigen grandiose Landschaften, große Emotionen – und wecken die Sehnsucht. Auf zur nächsten verrückten Reise… !

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