Was für ein Luxus: Nur drei Wochen nach dem wunderbaren Wochenende beim Tschirgant Sky Run war ich schon wieder in Imst und wieder gab es ein tolles Event. Diesmal ging es beim Gletschermarathon von Mandarfen durchs Pitztal nach Imst.

Relativ spontan haben wir uns angemeldet, voller Freude darüber, dass auch dieser Wettkampf stattfinden kann. Schließlich bin ich nach diversen virtuellen Läufen und so vielen abgesagten Events nahezu ausgehungert nach Rennen auf Originalstrecken mit anderen Läuferinnen und Läufern. Ich melde mich für den Marathon an, Pascal für den Halbmarathon. Genau diese Konstellation hatten wir hier schon mal, vor genau vier Jahren. Und noch etwas war für mich genau wie 2017, aber dazu später.

Wir reisen am Vortag an, holen unsere Startnummern in Wenns ab und spazieren danach noch etwas durch die beeindruckende Rosengartenschlucht in Imst, die ich Pascal unbedingt zeigen will. Beim Tschirgant Sky Run habe ich hier so etwas wie einen Endspurt versucht, was allerdings auf den technischen und teils rutschigen Wegen bergab nicht gerade einfach war. Umso entspannter fühlt es sich nun an, gemütlich hindurchzuwandern.

Fahrt zum Start

Am nächsten Morgen ist es dann erstmal vorbei mit gemütlich, um 5 Uhr stehe ich auf, da um 6.15 Uhr mein Shuttlebus von Imst nach Mandarfen fährt. Hier treffe ich mit Lars und Daniel direkt zwei Bekannte, die vor drei Wochen in Imst auch schon am Start waren. Wir sind ganz offensichtlich alle ausgehungert nach Events. Als wir die ewig lange Straße durchs Pitztal bis an ihr Ende kurz vor der Gletscherbahn durchfahren, geht mir durch den Kopf, dass wir ja irgendwie alle eine Macke haben: Früh morgens eine Stunde lang mit dem Bus eine Stunde lang irgendwo hinfahren, nur um es direkt danach wieder zurückzulaufen…

In Mandarfen angekommen, schaue ich erstmal bei Jasmin vom Hotel Vier Jahreszeiten vorbei. Meine Vorfreude auf unser Trailrunning-Camp hier im August steigt, als ich im schönen Barbereich sitze und in Ruhe einen Kaffee trinke. Aber richtig, heute muss ich erstmal wieder raus und zurück nach Imst laufen.

Um 8 Uhr geht es los. Zuerst einen Schlenker in Richtung Gletscherbahn, ich schaue herum und freue mich über das herrliche Panorama. Dann biegen wir ein in besagte endlose Straße, auf der wir nun sehr lange laufen werden. Meist bergab, aber später auch mit einigen Gegenanstiegen, die weh tun. Aber gut 1200 Höhenmeter geht es bei diesem Marathon bergab, und das ist genau mein Ding. Entgegen jeder Vernunft renne ich halbwegs schnell, lasse laufen, denke mir, um die fiesen späten Anstiege kann ich mich dann ja kümmern, wenn es so weit ist.

Es läuft. Halbmarathon in 1:46 Stunden. Viel zu schnell für einen Marathon, das weiß ich. Langsam werden auch meine Waden hart. Hätte ich doch etwas stärker gedämpfte Schuhe anziehen sollen? Egal, kann ich jetzt alles nicht mehr ändern. Dann kommen die ersten Anstiege. Puh. Anstrengend! Während bisher eher ich andere Läuferinnen und Läufer überholt habe, ziehen jetzt einige an mir vorbei. Das alte Problem: Ich komme Berge nicht besonders schnell hoch. Aber ich laufe, widerstehe der Versuchung zu gehen. Auch den fiesen Anstieg nach Wenns, an der ich mich überdeutlich vom letzten Mal erinnere, laufe ich. Langsam, langsamer, aber ich laufe. Kilometer 32, los, zehn Kilometer gehen jetzt auch noch. Zumal ich mich an den zahlreichen Verpflegungsstationen ständig mit Wasser, Iso und Cola stärken kann. Einmal nehme ich ein Stück Melone.

Wirbel im Kopf beim Gletschermarathon

Leider haben mich inzwischen an den Anstiegen zwei Frauen überholt. Es wirbelt in meinem Kopf, ich denke wehmütig daran, dass ich hier vor vier Jahren meine Altersklasse gewonnen und eine wunderschöne Holztrophäe bekommen habe. Hm, das dürfte dieses Jahr knapp werden. Vielleicht habe ich Glück und schaffe es irgendwie unter die ersten Drei. Also weiterkämpfen!

Es ist inzwischen ein Kampf, egal, ob bergab oder bergauf, es tut weh. Ungefähr bei Kilometer 35 rennt Daniel von Sports Insider in einem Affentempo an mir vorbei. Ungläubig starre ich ihm hinterher. Ich laufe weiter, will unbedingt unter vier Stunden blieben, eigentlich sogar furchtbar gerne unter 3:50 Uhr (das wäre die Qualifikationszeit meiner Altersklasse für den Boston Marathon), aber das könnte eng werden.

Dann kommt der gefürchtete letzte lange Anstieg. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht, einen Marathon, bei dem es die letzten zwei Kilometer bergauf geht? Ich schleppe mich weiter, schaffe es aber auch hier, in einem langsamen Laufschritt zu bleiben, trabe an einigen marschierenden Männern vorbei. Immerhin! Dann der Abzweig zum Ziel, ich nehme nochmal etwas Tempo auf, schaffe es, mit letzter Kraft ins Ziel zu springen. 3:50:42 Stunden stehen am Ende auf meiner Uhr. Zwar keine Boston-Quali, trotzdem bin ich happy mit dieser Zeit, die ich seit langer Zeit nicht mehr gelaufen bin. Kurz nach mir kommt Pascal ins Ziel, hat seinen Halbmarathon unter 2 Stunden gefinisht, wir sind also beide happy.

Ja, und dann habe ich auch noch meine Altersklasse gewonnen, wie ein etwas ungläubiger Blick auf die Ergebnisse wenig später zeigt. Happy und zufrieden nehme ich meine Holztrophäe in Empfang. Wegen der Corona-Einschränkungen findet die Siegerehrung dieses Jahr nur für die jeweiligen Gesamtsieger:innen statt, die Platzierten der Altersklassen dürfen sich ihre Pokale abholen. Das mache ich also und freue mich darüber, dass das wie 2017 hier und heute geklappt hat.

Die härtesten Waden seit langer Zeit haben sich also gelohnt. Später am Tag beginnt der große Regen. Das macht aber nichts, es regnet auf mich herab, als ich aus einer Imster Konditorei, in der ich einen gigantischen Eisbecher gegessen habe, zurück ins Hotel Eggerbräu humple. Jetzt darf es regnen, jetzt darf es schütten. Während des Laufs hingegen schien meist die Sonne und das passte einfach perfekt zum Strahlen in den Gesichtern vieler offensichtlich glücklicher und zufriedener Finisher des diesjährigen Gletschermarathons.

Fotos: privat, Veranstalter, Lars Schweizer, Daniel Klarkowski.

Ich danke dem Tourismusverband Pitztal für die Startplätze.